FALK FATAL und der Kreislauf der Erneuerung

Falk FatalRuhe. Endlich Ruhe und Frieden. Endlich sind sie vorbei, die F&F-Monate, diese Monate des Fressens und Feierns. Endlich beginnt die Zeit des Entschlackens. Und der Kreislauf der Erneuerung schreitet voran.

Es geht schleichend los, steigert sich unmerklich aber stetig – wie bei einem Frosch, dem man das Wasser im Teich ganz sachte erwärmt, bis es so heiß ist, dass es ihn tötet. Spätestens Ende November, Anfang Dezember ist dieser Zeitpunkt erreicht. Selbst die größten Traditionalisten kapitulieren dann vor den weihnachtlichen Verlockungen, die ihnen seit Ende August in den Supermärkten unter die Nase gerieben werden.

Lebkuchen, Spekulatius, Baumkuchen, Vanillekipferl und Christstollen sind plötzlich fester Bestandteil des Ernährungsplans. Klebrige Glühweinfinger stören nicht, während wir uns auf überfüllten Weihnachtsmärkten durch die Menschenmassen schieben und überlegen, ob wir uns als nächstes eine Bratwurst, ein Steakbrötchen oder doch einen süßen Crêpes einverleiben. Weihnachtsfeiern dienen als gern genommene Ausrede, um auch unter der Woche zu tief ins Glas schauen zu können und doch sind die ersten Dezemberwochen nur das Vorspiel auf die Weihnachtsfeiertage. Weiterlesen

FALK FATAL und die unvollständige Jahresvorschau

Falk FatalDie Gänsekeulen sind verdaut und die Tischfeuerwerke abgebrannt. Am Straßenrand verwelken die letzten Tannenbäume und die ersten guten Vorsätze sind längst gebrochen. Kurzum: 2018 hat uns längst am Wickel. Höchste Zeit für einen kurzen Blick in die Zukunft, der uns verrät, was wir vom Jahr des Hundes erwarten dürfen.

Februar: Die Anträge der beiden Vorsitzenden der hessischen AfD, Robert Lambrou und Klaus Herrmann, auf Mitgliedschaft bei Eintracht Frankfurt, werden satzungsgemäß abgelehnt. Bernhard Lorenz, Fraktionsvorsitzender der Wiesbadener CDU, zeigt sich daraufhin solidarisch mit den rechten Populisten und stellt einen Mitgliedsantrag beim Hamburger SV. Sein Pech: Der Antrag wird angenommen. Weiterlesen

FALK FATAL fährt Citybahn

Neulich bin ich mal wieder eine längere Strecke mit dem Bus durch die Stadt gefahren. Am Dürerplatz stieg ich in die Linie 1 ein und fuhr bis zur Röderstraße. Laut Fahrplan braucht der Bus dafür 21 Minuten. An jenem Mittwoch zur Mittagszeit war der Bus fast doppelt so lange unterwegs. Dem Busfahrer kann man keinen Vorwurf machen. Er blieb an den Haltestellen nicht länger als nötig stehen und hatte auch sonst sein Gefährt gut im Griff. Baustellen gab es auf der Strecke ebenfalls keine – außer der Fahrbahnverengung an der Ecke Wilhelmstraße/Burgstraße. Der Grund für die lange Fahrt: die Straßen waren einfach dicht. Pkw reihte sich an Pkw reihte sich an Pkw. Die Blechkolone schleppte sich im Schritttempo durch die Stadt. Gewiss, diese Fahrt mag nicht repräsentativ gewesen sein. Doch auf anderen Strecken habe ich ähnliche Erfahrungen gemacht. Und es ist ja auch kein Geheimnis, dass die Pkw-Dichte in Wiesbaden sehr hoch ist. Weiterlesen

FALK FATAL steht auf Details

Ich liebe Details. Sehr sogar. Dafür ernte ich von meinen Kumpels oft ein Stirnrunzeln. Besonders dann, wenn wir abends an der Theke unseres Vertrauens sitzen und ich nach dem vierten Äppler als Erwiderung auf den Zuruf: „Falk, Du bist blau!“, antworte: „Ja, aber nur pastellblau.“ Ich mag es halt gerne genau.

Details geben einer Geschichte – egal, ob Tatsachenbericht oder der Phantasie entsprungen – die nötige Würze. Ich kann die Geschichte ohne Details weitererzählen. Dann geht sie so: Nach dem vierten Äppler wurde mir schlecht und ich ging nach Hause. Oder ich erzähle sie mit Details. Dann könnte sie so lauten: Nach dem vierten Äppler traten erst einige feuerrote Flecken auf, die sich dann langsam über die restlichen Gesichtspartien ausbreiteten bis irgendwann mein Gesicht aussah wie eine Tomate kurz vorm Platzen. Nach dem fünften Äppler wich das Feuerrot einem leuchtgrünen Teint, der sich schnell in ein pastelltürkis verwandelte. Als ich anschließend von der Toilette wiederkam, hatte mein Gesicht den Farbton ungebleichten Recyclingpapiers. Danach schlappte ich mit hängendem Kopf nach Hause. Das ist zwar ein bisschen eklig, kommt der Wahrheit aber sehr nahe. Will heißen: Details helfen, die Realität besser zu verstehen.

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FALK FATAL im Kriechgang

Alter, was ist los mit dir? Ich dachte wir hätten einen Deal. Du lässt mich in Ruhe und ich beklage mich nicht über Dich. So sind wir viele Jahre gut ausgekommen. Ich konnte mein Leben auf der Überholspur führen und du schicktest mich nur alle paar Jahre in den Straßengraben. Das war fair. Das war ein Deal. Doch Du hast ihn nun aufgebrochen. Du hast unseren Deal zunichte gemacht.

Es ging langsam los. Mit der Arthrose im Fußzeh. Das ist zwar unangenehm, aber im Großen und Ganzen noch okay. So ein Fußzeh ist nicht schlimm. Der ist zur Not verzichtbar. Man kann auch ohne ihn mit beiden Beinen im Leben stehen. Eventuell muss man etwas das Gewicht verlagern. Aber so what. Weiterlesen

FALK FATAL zwischen urbanem Trott und Provinz-Marotten

Wer diese Kolumne regelmäßig liest, weiß, dass ich eigentlich ein Trottel vom Land bin, der irgendwann nach Wiesbaden gezogen ist. Das ist fast 18 Jahre her. Nicht mehr lange und ich habe die eine Hälfte meines Lebens in Wiesbaden verbracht und die andere Hälfte dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Man kann also sagen, ich kenne die Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Der offensichtlichste Unterschied: In Wiesbaden würde niemand auf die Idee kommen, mich einen Zugezogenen zu nennen. Die ersten Monate war ich vielleicht noch ein Neu-Wiesbadener, doch mit jedem Monat länger in der Stadt, verschwand das “Neu” immer mehr. In dem Dorf, in dem ich aufwuchs, wäre das undenkbar. Da wäre ich auch nach 20 Jahren noch ein Zugezogener. Weiterlesen

FALK FATAL deckt auf

Diese Kolumne ist dem unbekannten Leser gewidmet, der immer noch glaubt, die Presse allgemein und der Sensor im Speziellen würden nicht frei berichten, sondern nur schreiben, was die Regierung befiehlt. Als Beleg dazu dient ihm auch diese Kolumne. Früher sei der Kolumnist bissig gewesen, heute würde er nur noch angepasst schreiben.

Tja, was soll ich sagen? Es ist alles wahr. Man ist uns auf die Schliche gekommen. Wir schreiben nur, was man uns vorgibt. 

Jeden Morgen klingelt um 8 Uhr bei allen 72.500 deutschen Journalisten (und zeitversetzt bei den Auslandskorrespondenten deutscher Medien) das Telefon. Im Display leuchtet eine Berliner Vorwahl auf. Ich weiß dann schon, wer am anderen Ende der Leitung sein wird: Regierungssprecher Steffen Seibert oder jemand aus seinem Mitarbeiterstab, um mir mitzuteilen, was ich heute schreiben soll. Diese Gespräche sind kurz und knapp, aber dennoch auf das jeweilige Fachgebiet der Journalisten abgestimmt. Weiterlesen

FALK FATAL schätzt den Kompromiss

Der menschliche Körper ist manchmal ein marodes Miststück. Zumindest in meinem Fall war er das. Gebeutelt von einer fiesen Erkältung lag ich eine Woche lang flach. Leider genau in der Woche, in welcher der Visionäre Frühschoppen stattfand, bei dem das alternative Konzept für das Walhalla vorgestellt und diskutiert wurde. Das hat mich sehr geärgert, denn ich wäre gerne vor Ort gewesen.

Zum einen natürlich, weil mich interessiert wie es mit dem Walhalla weitergeht. Das ist auch keine unbedeutende Frage, schließlich geht es um die Zukunft eines einzigartigen städtischen Raums. Soll dieser künftig von einem Varietéunternehmen genutzt werden, das ein relativ starres Programm hat, oder von mehreren Kulturunternehmern, die zwar mehr Vielfalt bieten, aber für die Stadt ein größeres Risiko bedeuten, weil mehr Parteien am Tisch sitzen. Keine einfache Entscheidung. Für beide Vorschläge gibt es – je nach Standpunkt – gute Argumente. Weiterlesen