Bilder für Früchte des Zorns

Bild: Ben Shahn, 1935
Bild: Ben Shahn, 1935

Die Library of Congress hat 170.000 Bilder aus den 1930er Jahren digitalisiert und ins Netz gestellt. Die Fotografien liefern einen faszinierenden Einblick in die Lebenswirklichkeit der amerikanischen Landbevölkerung jener Zeit.

Die Leute kommen mit Netzen, um Kartoffeln aus dem Fluss zu fischen, aber die Wächter verbieten es ihnen. Sie kommen in ratternden Wagen, um sich Orangen zu holen, aber die Orangen sind mit Petroleum bespritzt. Und sie stehen still und sehen zu, wie die Kartoffeln vorbeischwimmen, hören die Schweine schreien, die im Graben geschlachtet und mit Ätzkalk bedeckt werden, sehen die Orangenberge zu einem Fäulnisbrei zusammensinken und in den Augen der Hungernden steht ein wachsender Zorn. In den Herzen der Menschen wachsen die Früchte des Zorns und werden schwer, schwer und reif zur Ernte.

(John Steinbeck – Früchte des Zorns)

Vermutlich kein anders Buch hat die Nöte der einfachen amerikanischen Bevölkerung während der Great Depression so gut beschrieben, wie John Steinbeck in seinem Klassiker „Früchte des Zorns“. Zehntausende Amerikaner verließen in den 1930er Jahren nach einer katastrophalen Dürre und den daraus resultierenden Sandstürmen, den sogenannten „Dust-Bowls“, ihre Heimat im Mittleren Westen der USA zogen nach Kalifornien. Doch im „dem gelobten Land“ waren sie der Willkür der Landbesitzer ausgesetzt, die die Neuankömmlinge ausbeuteten, wo sie nur konnten.

Soweit, so bekannt. Vermutlich weniger bekannt war die Tatsache, dass die Farm Security Administartion (FSA) ein Team renommierter Fotografen losschickte, um das Leid der Landbevölkerung zu dokumentieren. Darunter waren später weltberühmte Fotografen wie Dorothea Lange, Russel Lee oder Walker Evans. Die Fotografen produzierten rund 170.000 Negative, von denen bis vor kurzem rund 100.000 unveröffentlicht waren.

Die Library of Congress hat nun alle Negative digitalisiert, ein Projekt der Yale University, Photogrammar genannt, hat das Material aufbereitet, geordnet und auf einer eigenen Website der Welt zugänglich gemacht. Die Bilder können dort nach Themen, nach Fotografen, nach Orten und Jahren durchsucht werden. Das Ergebnis ist ein großartiger Einblick in das Leben der amerikanischen Bevölkerung der 1930er Jahre. Die Sammlung bildet sozusagen den visuellen Hintergrund zu Steinbecks „Früchte des Zorns“. Ich könnte Stunden damit verbringen, mir die Bilder anzuschauen. Da die Fotografen damals im Auftrag der Regierung arbeiteten, können die meisten Bilder ohne Lizenzgebühren benutzt werden. Ein minimalen Eindruck gibt die Bildergalerie (für Großansicht auf die Bilder klicken), die einige Aufnahmen enthält. Ich empfehle euch aber, einfach Mal auf der Photogrammar herumzuschauen. Es lohnt sich!

Alle Bilder: Library of Congress

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