FALK FATAL fährt Rad

FalkFatal-260x312Potzblitz! Das hätte ich nicht gedacht! „Das Auto ist das Lieblingsverkehrsmittel der Wiesbadener”, teilt die Stadtverwaltung mit. Anlass für diese Mitteilung war eine Studie zur „Mobilität in Städten” des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV). Für Menschen, die wie ich täglich mit dem Fahrrad in Wiesbaden unterwegs sind, ist das Ergebnis wenig überraschend. Das Auto ist das einzige Verkehrsmittel, das sich auf Wiesbadens Straßen bewegen darf, scheinen viele Autofahrer zu glauben. Zumindest gemessen an ihren Reaktionen, wenn man freundlich daran erinnert, dass ein gewisser Seitenabstand nett wäre, da man es nicht mag, vom Seitenspiegel touchiert zu werden. Oder wenn man darauf hinweist, dass der Fahrradstreifen Fahrrädern vorbehalten sein soll und nicht Autos. „Verpiss Dich mit Deinem scheiß Fahrrad“, ist da noch eine der netteren Reaktionen.

Die Aktion Stadtradeln, an der Wiesbaden dieses Jahr teilnimmt, könnte manchen Wiesbadener vielleicht zum Umdenken bringen. Doch die Stadt Wiesbaden versagte grandios: Vielleicht, weil man es sich mit den Autofahrern nicht verscherzen will?

Wenn die Stadt wirklich zum Fahrradfahren anstiften will – zumindest zitierte der Wiesbadener Kurier vergangenes Jahr so den Leiter der Abteilung Verkehrsplanung und -technik im Tiefbauamt – dann müsste sie solch eine Aktion pushen und nicht so erbärmlich verenden lassen. In rund 300 anderen Kommunen ist das Stadtradeln seit Jahren ein großer Erfolg. In Wiesbaden scheint sie als Feigenblatt zu dienen. Man hat ja mitgemacht. Und so schlimm ist es nach Ansicht des Leiters der Abteilung Verkehrsplanung und -technik auch wieder nicht. Fahrradfahren würde in Wiesbaden zu Unrecht als unattraktiv beschrieben. Er fährt wahrscheinlich selten mit dem Rad zur Arbeit.

Lässt man die Polemik weg und schaut genauer hin, weist die Untersuchung doch einige interessante Zahlen auf. So sind mittlerweile 83 Prozent aller Wiesbadener Haushalte mit mindestens einem Auto ausgestattet. Bei der vorherigen Untersuchung aus dem Jahr 2002 waren es nur 68 Prozent. Gleichzeitig wird das Auto aber seltener genutzt. Wurden 2002 noch 56 Prozent aller Wege mit dem Auto zurückgelegt, waren es zum Umfragezeitpunkt 2013 rund 48 Prozent. Dafür wird mehr gelaufen – immerhin knapp ein Drittel aller Wege. Und auch das Fahrrad profitiert. Dessen Anteil hat sich verdoppelt! Von verschwindend geringen drei auf unglaublich wenige sechs Prozent. Der Radverkehr fristet weiterhin ein Nischendasein.

Mehr Unterstützung seitens der Stadt für die Aktion Stadtradeln wäre also sinnvoll gewesen. Im Sinne der Außendarstellung wäre es auch nicht verkehrt, den Titel „Fahrradunfreundlichste Stadt” abzugeben – aber dafür müsste für den Radverkehr wirklich etwas getan und nicht nur Sonntagsreden gehalten werden.

Erschienen im Sensor Wiesbaden #35 Juli/August 2015

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