FALK FATAL hält inne

FalkFatal-260x312Die Stadt ist im Wandel. Permanent. Wer schon ein paar Jahre in Wiesbaden lebt, weiß das. Der Schlachthof, der zurzeit sein 20-jähriges Bestehen feiert, ist das beste Beispiel. Als ich Mitte der 1990er Jahre das erste Mal den Schlachthof besuchte, war das Gebäude eines von vielen ehemaligen Lagerhallen. Das komplette Gelände war eine Wüste aus Beton. Der Gedanke, dass dort einmal eine der größten innerstädtischen Grünflächen zum Abhängen für die Jugend entstehen wird, war damals so fern, wie der FC St. Pauli von der deutschen Meisterschaft.

Im Frühjahr wird der Schlachthof sein altes Gebäude endgültig verlassen. Die Musik spielt dann ein paar Meter weiter in der neuen Halle und im Kesselhaus am Wasserturm. Dann erinnert nur noch eine Fassade der alten Halle daran, wie es dort einmal ungefähr ausgesehen hat. Auch wenn die Kritik am Neubau anfangs groß war, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass der Kulturpark mit dem neuen Schlachthof ein Zugewinn für Wiesbaden ist.

Ein ähnliches Schicksal widerfährt zurzeit dem Platz der deutschen Einheit. Jahrelang wurde darüber debattiert, wie der Platz einmal aussehen soll. Kürzlich wurde dort die neue Sporthalle eröffnet. Kaum vorstellbar, dass das einzig belebende Objekt vor einigen Jahren eine Imbissbude war. Ob mit der Errichtung der Sporthalle dem Stadtbild ein guter Dienst erwiesen wurde, wird sich erst zeigen, wenn der Nachfolgebau für das alte Arbeitsamt steht. Ungewohnt wirkt der graue Klotz aber immer noch, obwohl er jetzt schon eine Weile dort steht.

Ein anderes Bauwerk, das für viele Wiesbadener schon immer existierte, wird demnächst abgerissen: die Rhein-Main-Hallen. Auch hier gab es viele Jahre Diskussionen über den Standort der neuen Hallen und wie sie aussehen sollen. Aber es hat sich gelohnt. Mit dem Entwurf, der jetzt gebaut wird, ist ein guter Kompromiss gefunden worden.

Veränderung ist wichtig. Ohne sie kein Fortschritt sondern nur Stillstand. Trotzdem ist es manchmal gut, innezuhalten und sich zu fragen, muss diese Veränderung wirklich sein. Das beste Beispiel liefert Wiesbaden selbst. In den 1960ern veröffentlichte Ernst May sein Buch „Das neue Wiesbaden“. In diesem beschrieb der bekannte Architekt den Bau der Siedlungen Klarenthal und Schelmengraben und präsentierte seine Pläne für den Umbau der Stadt. Ein zentraler Punkt darin war der Abriss vieler alter Stadtvillen in der Innenstadt. An ihrer Stelle sollten damals für modern gehaltene Bauten entstehen. Hätte May seine Pläne verwirklichen können, wäre Wiesbaden heute eine andere Stadt. Zum Glück gab es damals Widerspruch, der Abriss des Altbaubestands konnte verhindert werden. Es lohnt sich also, manchmal innezuhalten und zu hinterfragen, was für Folgen Entscheidungen haben können – nicht nur bei der Stadtplanung.

Kommt gut ins neue Jahr.

Erschienen im Sensor Wiesbaden

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