FALK FATAL hat Brass

FalkFatal-260x312Wiesbaden Du alte Hippe! Immer wenn ich denke, Du wärst eine coole Socke, zeigst Du Dich von Deiner hässlichen Seite. Dabei warst Du doch auf einem guten Weg. Wer im ausklingenden Spätsommer abends am Sedanplatz vorbeikam und die Menschen gut gelaunt in und vor den Kneipen sowie auf dem einstmals größten Hundeklo des Westends sah, konnte ein bisschen Großstadtflair einatmen. Doch seitdem vermehrt graue Wolken den Himmel über Wiesbaden bevölkern und die Temperaturen fallen, ist auch der Großstadtflair weitergezogen. Das Nachtleben, dieses zartes Pflänzchen, verkraftet diesen Temperatursturz nur schwer.

Kaum weht der Herbst die Blätter von den Bäumen, muss das Gestüt Renz schließen, weil drei Anwohner den Tumult, den ein Club mit sich bringt, nicht tolerieren wollten. Der Aufschrei in den Tagen danach war groß. Selbst der Oberbürgermeister kommentierte die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Kassel auf Facebook mit einem fetten Dislike. Allerdings fragt man sich dann, warum die Stadt Wiesbaden vor einigen Jahren dem Gestüt den Betrieb als „Vergnügungsstätte“ dann überhaupt untersagt hat.

Zu faul zum Lesen? Dann einfach anhören.

Doch es ist nicht nur das Gestüt Renz, viele Clubs und Kneipen kämpfen mit ähnlichen Problemen. Das Chopan ist ebenfalls von der Schließung bedroht, weil der neue Vermieter nicht mehr will. Der Kulturpalast kämpft seit Jahren mit Anwohnern, die sich daran stören, wenn im Sommer die schmucke Terrasse bespielt wird (wahrscheinlich sind es dieselben Anwohner, die auch das Gestüt zu Fall gebracht haben). Nicht zu vergessen das Walhalla.

Statt oft erstklassiger Kunst und Subkultur zum schmalen Taler, soll es dort bald mittelmäßiges Varieté geben. Das alleine wäre schon schlimm genug. Wenn es aber wirklich stimmt, dass die Stadt den Verein, der das tolle Programm in den vergangenen 15 Jahren auf die Beine gestellt hat, nicht frühzeitig über die Planungen informiert hat, dann ist das nicht nur schlechter Stil, sondern eine Sauerei. Aber es passt zum Umgang mit lokalen Kulturschaffenden.

Den Wegfall der Kultursäulen, auf denen lokale Kulturveranstalter kostenlos werben konnten, bekamen diese rund sechs Wochen vor Auslaufen der Regelung mitgeteilt. Zu diesem Zeitpunkt wusste die Stadt schon mindestens ein halbes Jahr lang, dass die Wall AG diese Vergünstigung zurückziehen will. Oder das Folklore Festival. Das wurde erst zum Kulturgut erklärt, dann wurden die Zuschüsse gestrichen, was das Aus besiegelte. Anschließend bewarf man die Veranstalter noch ein bisschen mit Dreck, nur um dann festzustellen, dass Wiesbaden ein Festival wie Folklore doch gut zu Gesicht stünde. Mit dem Resultat, das es dieses Jahr kein Festival gab und es wahrscheinlich auch 2017 keines geben wird.

Für die Kneipiers am Sedanplatz kann man nur hoffen, dass die jetzigen Anwohner verständnisvoll bleiben und auch unter den künftigen Anwohnern keine Stinkstiefel sind. Denn auf Hilfe der Stadt sollten sie sich nicht verlassen.

Erschienen im Sensor Wiesbaden #47

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