FALK FATAL hat den Neujahrs-Blues

FalkFatal-260x312Neues Jahr, neues Glück, tut der Volksmund gerne kund. Damit ist die Vorstellung verbunden, dass der Jahreswechsel einen Cut bedeutet, dass die Welt zumindest für einen kurzen Moment zur Ruhe kommt. Für einen selbst mag das stimmen: für die meisten von uns entschleunigt sich zwischen den Jahren das Leben. Doch während die Weihnachtsgans noch verdaut und das Raclette für Silvester vorbereitet wird, dreht die Welt sich einfach weiter.

Bestes Beispiel sind die sexuellen Belästigungen, die in der Silvesternacht in Köln und in anderen Städten begangen wurden. Die Übergriffe sind gleich mehrfach schlimm. Am schlimmsten natürlich für die betroffenen Frauen. Aber auch für die hier lebenden Migranten, Flüchtlinge und Deutsche mit Migrationshintergrund, die friedlich ihr Leben leben und jetzt von den Rassisten, die sich gerne besorgte Bürger nennen, in einen Topf mit den Silvester-Straftätern geworfen werden.

Es ist aber auch schlimm für diese Gesellschaft. Das Klima wird immer schlechter, die Spaltung immer größer. Hier das weltoffene Deutschland, dort Pegida, AfD und CSU, die sich von der Welt abschotten wollen. Nimmt man die vielen Kommentare in den sozialen Medien ernst – und angesichts brennender Flüchtlingsheime, Nazi-Hools auf Menschenjagd und sich formierender Bürgerwehren, muss man sie ernst nehmen -, zeigt sich auf erschreckende Weise, wie viele Menschen in diesem Land bereit sind, die Demokratie gegen die Barbarei einzutauschen.

Immerhin könnten die Verbrechen der Silvesternacht dafür sorgen, dass Frauen künftig besser vor sexuellen Übergriffen geschützt werden, könnte man einwenden. Ich fürchte nur, dass dies leider ein Trugschluss ist. Viele derjenigen, die jetzt gegen sexuelle Belästigung und sexuelle Gewalt wettern, hatten in der Vergangenheit kein Problem damit, wenn ein alternder FDP-Politiker anzügliche Bemerkungen über das Dekolleté einer jungen Journalistin macht, oder dass jedes Jahr auf dem Oktoberfest oder an Fastnacht der „Sexmob“ wütet und es reihenweise zu sexuellen Belästigungen kommt. Bei diesen Menschen hat man den Eindruck, die Übergriffe der Silvesternacht sind ein gern genommener Deckmantel, um dem eigenen Rassismus freien Lauf zu lassen.

Immerhin wurde jetzt das Asylrecht mal wieder verschärft. Dumm nur, dass man die meisten Täter wahrscheinlich nicht wird abschieben können, da sexuelle Nötigung, unter die das verharmlosend-genannte “Grapschen” fällt, nur unter ganz bestimmten Bedingungen ein Straftatbestand ist. Aber Hauptsache die Regierung hat Prioritäten gesetzt. Für Frauen bleibt es leider dabei: überall dort, wo viele alkoholisierte Männer anzutreffen sind, müssen sie damit rechnen, sexuell belästigt zu werden – ganz gleich welcher Nationalität die Männer sind.

Neues Jahr, neues Glück? Eher nicht. Der Wahnsinn geht weiter.

Erschienen im Sensor Wiesbaden

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