FALK FATAL im Kriechgang

Alter, was ist los mit dir? Ich dachte wir hätten einen Deal. Du lässt mich in Ruhe und ich beklage mich nicht über Dich. So sind wir viele Jahre gut ausgekommen. Ich konnte mein Leben auf der Überholspur führen und du schicktest mich nur alle paar Jahre in den Straßengraben. Das war fair. Das war ein Deal. Doch Du hast ihn nun aufgebrochen. Du hast unseren Deal zunichte gemacht.

Es ging langsam los. Mit der Arthrose im Fußzeh. Das ist zwar unangenehm, aber im Großen und Ganzen noch okay. So ein Fußzeh ist nicht schlimm. Der ist zur Not verzichtbar. Man kann auch ohne ihn mit beiden Beinen im Leben stehen. Eventuell muss man etwas das Gewicht verlagern. Aber so what.


Doch neulich dieser Hexenschuss. Das war zu viel! Das war überhaupt nicht nett. Da hast Du mich derbe auf die Bretter geschickt und gekonnt die Situation ausgenutzt. Denn ich war alleine zuhause. Niemand da, der mir helfen konnte. Die nächsten Stunden verbrachte ich wimmernd im Kriechgang. Die Ibuprofen Tabletten, die mein Leid hätten lindern können, lagen nämlich im obersten Fach des Wandschranks. Gar nicht so einfach, die zu erreichen, und vor allem sehr schmerzhaft, wenn man sich nicht aufrichten kann. Du hast Dich wahrscheinlich köstlich amüsiert, wie ich vor Schmerz gebeugt auf der Trittleiter balancierte und versuchte mit dem Staubsaugerrohr, die Tablettenpackung aus dem Fach zu wischen. Vielen Dank für diese unbeschreibliche Erfahrung.

Aber ich bin ja selbst schuld. War ich früher ein Fitness-Freak, der zwei bis dreimal die Woche in der Muckibude den Musculus latissimus dorsi und den Musculus rectus abdominis trainierte, habe ich mich zum Fitness-Faultier entwickelt. „Binding und Buletten statt Crunches und Cia-Samen“, war mein Motto.

Alter, deshalb nehme ich Dir den Hexenschuss auch nicht wirklich übel. Vermutlich wolltest Du mich gar nicht quälen, sondern in einer konzentrierten Aktion aller Körperteile und Organe einen Warnschuss abfeuern. Und Du hast Erfolg gehabt. Ich bin jetzt ein Hexenschuss-Hater. Sowas will ich nicht mehr spüren. Ich habe mich auch gleich bei Daniel Aminatis Bosstransformation angemeldet (Weil mir sein Werbespruch: „Es gibt wichtigeres als gut auszusehen. Aber es gibt nichts Wichtigeres als sich gut zu fühlen“, deutlich besser gefällt als Detlef D. Soosts „I make you sexy“). Auch meinen Lebenswandel habe ich gründlich auf den Prüfstand gestellt. Vorbei die Zeiten, in denen ich mich wie ein Bauarbeiter ernährte. Der Rollbraten-Rowdy wird zum Quinoa-Coinesseur, der Hedonismus-Heini gibt jetzt den Dinkel-Dandy! Und meine Zigaretten, die rauche ich jetzt nur noch ohne Zusatzstoffe! Ich habe gehört, das sei gesund.

In diesem Sinne: Lasst euch den Sommer schmecken!

Erschienen im Sensor Wiesbaden Nr. 55

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