FALK FATAL mag gewisse Redewendungen nicht

FalkFatal-260x312Seit einiger Zeit haben zwei Redewendungen Konjunktur, die ich echt nicht mehr hören kann. Die eine ist: „Man wird ja wohl noch sagen dürfen.“ Die andere lautet: „Das hat damit aber nichts zu tun.“ Beide klingen recht harmlos, sind sie aber nicht.

Wenn Menschen Sätze mit „Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass…“ beginnen, geht der Satz garantiert nicht gut weiter. In der Regel folgen dann Verweise auf die angeblich unmenschliche Politik Israels, die Juden, die USA, die NSA oder CIA, die Lügenpresse oder die angeblich drohende Überfremdung und Islamisierung Deutschlands. Gleichzeitig suggeriert diese Redewendung, dass man hierzulande nicht alles sagen darf. Was falsch ist. Man darf in diesem Land alles sagen, was man will, solange man damit keine Gesetze verletzt.

Wer also wirklich glaubt, Deutschland schaffe sich ab und werde islamisiert und hinter allem, was auf dieser Welt falsch läuft, stecke sowieso die CIA oder der Mossad, darf das sagen. Er oder sie braucht sich aber nicht wundern, wenn die Gegenrede negativ ausfällt und man wahlweise als Rassist, Antisemit, wahnhaft oder dumm bezeichnet wird. Denn so einfach die Erklärung ist, es gebe eine geheime Verschwörung einer kleinen mächtigen Gruppe gegen den Rest der Welt oder gegen den Willen des Volkes, so falsch ist sie und zeugt von einem mangelnden Willen, sich wirklich um Erklärungen zu bemühen, was warum in dieser Welt falsch läuft. Im Mittelalter steckte Gott hinter allem schwer Verstehbaren, heute eine Verschwörung.

In eine andere Richtung zielt die Redewendung: „Das hat damit aber nichts zu tun.“ Die wird spätestens seit dem grausamen Anschlag auf Charlie Hebdo in Paris gerne von Menschen verwendet, die darin keinen Zusammenhang mit dem Islam sehen wollen. Aber wenn Menschen im Namen ihrer Religion morden, dann hat das auch etwas mit ihrer Religion zu tun – wenn auch mit einer besonders pervertierten Auslegung davon, die zum Glück nur von einem verschwindend geringen Teil der Gläubigen so gelebt wird. Und es sollte klar sein, dass es DEN Islam, DAS Christentum, DIE Religion nicht gibt. Wer aber kategorisch sagt, das hat damit aber nichts zu tun, verschleiert den Blick auf einen Teil der Ursachen, die zu solch einem Wahnsinn führen. Ein klarer Blick ist aber wichtig, um die Ursachen zu bekämpfen und eine Diskussion in Gang zu bringen, wie Menschen, egal welcher Hautfarbe, Religion und Herkunft, hier wirklich friedlich zusammenleben können. Das wird nur durch ein gegenseitiges Geben und Nehmen möglich sein, an dessen Ende hoffentlich ein Kompromiss steht, den alle akzeptieren können.

Und nein liebe Pegida, der Anschlag auf Charlie Hebdo ist kein Beleg für eine Islamisierung der westlichen Welt, sondern nur dafür, wohin Wahnsinn führen kann.

Erschienen in Sensor Wiesbaden #30

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