FALK FATAL schätzt den Kompromiss

Der menschliche Körper ist manchmal ein marodes Miststück. Zumindest in meinem Fall war er das. Gebeutelt von einer fiesen Erkältung lag ich eine Woche lang flach. Leider genau in der Woche, in welcher der Visionäre Frühschoppen stattfand, bei dem das alternative Konzept für das Walhalla vorgestellt und diskutiert wurde. Das hat mich sehr geärgert, denn ich wäre gerne vor Ort gewesen.

Zum einen natürlich, weil mich interessiert wie es mit dem Walhalla weitergeht. Das ist auch keine unbedeutende Frage, schließlich geht es um die Zukunft eines einzigartigen städtischen Raums. Soll dieser künftig von einem Varietéunternehmen genutzt werden, das ein relativ starres Programm hat, oder von mehreren Kulturunternehmern, die zwar mehr Vielfalt bieten, aber für die Stadt ein größeres Risiko bedeuten, weil mehr Parteien am Tisch sitzen. Keine einfache Entscheidung. Für beide Vorschläge gibt es – je nach Standpunkt – gute Argumente.

Es hat mich aber auch geärgert, weil der Visionäre Frühschoppen ein Format ist, bei dem Menschen noch richtig zusammenkommen und diskutieren. Sie tauschen – manchmal auch hitzig – Argumente aus, ohne es nötig zu haben, dem Gegenüber verbal eins in die Fresse zu hauen. Das ist erfrischend, denn angesichts der Art und Weise, wie in manchen Facebook-Gruppen die Meinung der anderen niedergemacht wird, scheint es, als hätten viele Menschen vergessen wie man diskutiert.

Wenn man aber keine andere Meinung mehr zulässt als die eigene, gibt es keinen Kompromiss. Und ohne Kompromiss geht die Gesellschaft vor die Hunde. Bei einem Kompromiss sind zwar alle Beteiligten unzufrieden, da sie Abstriche machen mussten. Aber da alle Abstriche machen mussten, tragen alle den Kompromiss mit. Natürlich gibt es Meinungen, die keinen Kompromiss dulden, und zwar dann, wenn die Würde oder die Gesundheit von Menschen verletzt oder bedroht wird. Aber ansonsten sind Kompromisse unverzichtbar für das Funktionieren einer Gesellschaft.

Was mit einer Gesellschaft passiert, in der Kompromisse immer schwerer auszuhandeln sind, lässt sich gut an den USA beobachten. Nicht erst seit Trump, sondern schon seit Jahren, stehen sich dort zwei Lager immer unversöhnlicher gegenüber, denen es vor allem darum geht, die Gegenseite zu besiegen und nicht einen Kompromiss zum Wohle aller auszuhandeln.

Deshalb sind Veranstaltungen wie der Visionäre Frühschoppen so wichtig, bei denen man zusammenkommt, diskutiert, auch mal streitet, aber immer in einem fairen Rahmen.

Mag sein, dass die städtischen Gremien der GOP Entertainment Group den Zuschlag erteilen werden und das von mir favorisierte Alternativkonzept abgelehnt wird. Ich werde bestimmt darüber schimpfen und mich aufregen. Aber ich werde die Befürworter des GOP-Konzepts deshalb sicher nicht als meine Feinde betrachten.

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