FALK FATAL und der Kreislauf der Erneuerung

Falk FatalRuhe. Endlich Ruhe und Frieden. Endlich sind sie vorbei, die F&F-Monate, diese Monate des Fressens und Feierns. Endlich beginnt die Zeit des Entschlackens. Und der Kreislauf der Erneuerung schreitet voran.

Es geht schleichend los, steigert sich unmerklich aber stetig – wie bei einem Frosch, dem man das Wasser im Teich ganz sachte erwärmt, bis es so heiß ist, dass es ihn tötet. Spätestens Ende November, Anfang Dezember ist dieser Zeitpunkt erreicht. Selbst die größten Traditionalisten kapitulieren dann vor den weihnachtlichen Verlockungen, die ihnen seit Ende August in den Supermärkten unter die Nase gerieben werden.

Lebkuchen, Spekulatius, Baumkuchen, Vanillekipferl und Christstollen sind plötzlich fester Bestandteil des Ernährungsplans. Klebrige Glühweinfinger stören nicht, während wir uns auf überfüllten Weihnachtsmärkten durch die Menschenmassen schieben und überlegen, ob wir uns als nächstes eine Bratwurst, ein Steakbrötchen oder doch einen süßen Crêpes einverleiben. Weihnachtsfeiern dienen als gern genommene Ausrede, um auch unter der Woche zu tief ins Glas schauen zu können und doch sind die ersten Dezemberwochen nur das Vorspiel auf die Weihnachtsfeiertage.

Die sind eine einzige Orgie. Gänsekeulen hier, Schweinebraten da, und natürlich Lebkuchen, Christstollen und Vanillekipferl bis zum geht nicht mehr. Zwischen den Jahren werden die Reste verdrückt und dann Silvester, Tischfeuerwerk, Raclette, Fondue, Sekt und Knabberkram bis zum Abwinken.

Dann der erste Kater. Neujahr. Kurze Pause. Doch viel Zeit zum Verschnaufen bleibt nicht. Die ersten Faschingsveranstaltungen warten. Kreppelkaffee, Kappensitzungen und viel Alaaaf. Ab Altweiberfastnacht dann Eskalation total. Ein lang anhaltender Rausch, der erst am Aschermittwoch sein Ende findet. Und selbst die größten Freunde des Genusses freuen sich dann auf das, was jetzt folgt: die Fastenzeit. Die Zeit des Entschlackens, des zur Ruhe Kommen.

Da wir noch keine Wüste in der Nähe haben und die meisten es sich zeitlich ohnehin nicht erlauben können, 40 Tage ohne Brot und Wasser durch die Gegend zu irren, verzichten wir auf andere Dinge. Es ist schließlich der Gedanke, der zählt. Auf Fleisch zu verzichten tut es ja auch. Oder auf Süßigkeiten, Alkohol oder Pornos. Jeder fastet anders. Manche sogar sozial. Die verzichten dann darauf, mit dem Auto zum Zigarettenautomat zu fahren.

Und dann sind die 40 Tage vorbei. Der Körper ist entschlackt und entgiftet und bereit für neue Schandtaten. Die eingeschmolzenen Schokoweihnachtsmänner schmecken auch als Osterhase und der Lammbraten sowieso. Wir glühen wieder langsam vor, wie ein Frosch im Teich, dessen Wasser man langsam erhitzt. Und spätestens Ende November, Anfang Dezember beginnt die Zeit der Völlerei, des Gönn-ich-mir erneut. Der Kreislauf der Erneuerung dreht eine neue Runde.

Veröffentlicht im Sensor Wiesbaden #62

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