FALK FATAL vermisst das Sommerloch

FalkFatal-260x312Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da zeigte die Tagesschau im Sommer Helmut und Hannelore Kohl entspannt in ihrem Feriendomizil am Wolfgangsee. Die Bild-Zeitung berichtete über die irre Forderung eines CSU-Hinterbänklers aus dem Bundestag, der Mallorca zum 17. Bundesland machen wollte. Dieses Jahr hätten sich sicher viele Menschen die gute alte Sommerloch-Zeit zurückgewünscht. Stattdessen gab es einen Horror-Sommer.

Die Briten entschlossen sich mit knapper Mehrheit für den Brexit, ein Islamist fuhr in Nizza am Nationalfeiertag in eine Menschenmenge, weil er glaubte, damit Allah einen Gefallen zu tun. Einen Tag später wurde in der Türkei ein Militärputsch niedergeschlagen, den Präsident Erdogan seitdem zum Anlass nimmt, all seine Kritiker mundtot zu machen. Kurz darauf schwang ein bekloppter Islamist in einem Regionalzug nahe Würzburg bewusst die Axt und verletzte vier Menschen schwer. Ein paar Tage später läuft ein Bewunderer Anders Breivik und angeblicher AfD-Anhänger am fünften Jahrestag der Osloer-Anschläge in München Amok und tötet neun Menschen mit Migrationshintergrund. Wiederum nur wenige Tage später, verübt ein abgelehnter Asylbewerber einen Sprengstoffanschlag in Ansbach, bei dem er glücklicherweise nur sich selbst verletzt. Zwei Tage später schneiden zwei Islamisten einem Pfarrer in einer Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray die Kehle durch.

Die Welt ist endgültig aus den Fugen geraten, heißt es seitdem oft. Der Eindruck trügt natürlich. Die Welt dreht sich weiter wie bisher. Nicht nur in Mitteleuropa gab es Horrornachrichten zu vermelden. In Bagdad starben bei einem Bombenanschlag fast 300 Menschen, auf thailändischen Ferieninseln explodierten mehrere Bomben, vom immer erbitterter geführten Krieg in Syrien ganz zu schweigen. Dass soll den Wahnsinn vor unserer Haustür nicht relativieren. Es ist verständlich, dass ein Terroranschlag in Bagdad aufgrund der großen Distanz viel abstrakter wirkt und hierzulande viel weniger Angst hervorruft als ein gescheiterter Sprengstoffanschlag in Ansbach.

Ansbach, das ist quasi vor der Haustür. Wenn so etwas schon in der bayerischen Provinz passieren kann, kann das auch in Wiesbaden passieren. Deshalb kann ich die Angst, die sich vor allem in den sozialen Netzwerken immer mehr Bahn bricht, nachvollziehen. Aber wir sollten uns nicht von ihr leiten lassen. Angst ist ein schlechter Ratgeber – vor allem wenn sie in Hysterie umschlägt. Denn wenn wir die gewähren lassen, die aus Angst den gesellschaftlichen Fortschritt der vergangenen 50 Jahren zurücknehmen wollen, dann haben der IS, hat Al Qaida, dann haben all die gewonnen, die gegen Fortschritt, Emanzipation und Moderne sind. Soweit dürfen wir es nicht kommen lassen.

Ursprünglich erschienen im Sensor Wiesbaden

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