FALK FATAL wünscht sich was

FalkFatal-260x312Kürzlich stand in der Stadtverordnetenversammlung die Bestandsanalyse zum Verkehrsentwicklungsplan Wiesbaden 2030 auf der Tagesordnung. Das Gutachten kommt erwartungsgemäß zu einem niederschmetternden Ergebnis. Die beauftragten Darmstädter Planungsbüros stellten in ihrer Analyse etwa fest, dass entlang der Hauptrouten durch die Stadt Radwege fehlen. Und die, die es gibt, entsprächen häufig nicht mehr dem Regelwerk. Im Gegensatz dazu habe Wiesbaden mit 500 Autos auf 1.000 Einwohner eine sehr hohe Pkw-Dichte. Hessenweit weise die Stadt zudem den höchsten Anteil an Haushalten mit zwei oder drei Pkws auf. Verkehrslärm und Stickstoffoxid-Emissionen lägen zum Teil über gesetzlichen Grenzwerten und seien damit eine Gefahr für die Gesundheit der Bürger. Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass durchgreifende Änderungen des bestehenden Verkehrssystems und des etablierten Mobilitätsverhaltens unerlässlich seien, um die Ziele zum Schutz der menschlichen Gesundheit, der natürlichen Lebensgrundlagen und der Stabilität des Klimas zu erreichen. So weit, so schlecht. [auch als Podcast]

Weihnachten steht vor der Tür und an Weihnachten darf man sich was wünschen. Ich wünsche mir, irgendwann in einer Stadt zu leben, in der der motorisierte Verkehr auf das nötigste Mindestmaß beschränkt ist. Ich wünsche mir eine Stadt, in der Luft, Klima und Lärm nicht die Gesundheit der Bevölkerung gefährden, in der eine Stadtbahn und Elektrobusse die Bürger durch die Stadt kutschieren. In der Stadt meiner Wünsche boomt das Carsharing mit autonomen Elektroautos, dank dem auch Menschen mit körperlichen Einschränkungen mobil sein können. Ich wünsche mir eine Stadt, in der Fahrradfahrer als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer akzeptiert werden, die sich sicher auf den Straßen bewegen können und nicht die Fußgänger belästigen müssen.

Mag sein, dass Viele jetzt sagen werden: „Das klappt nie.“ Aber wenn die Menschheit immer so gedacht hätte, dann wäre das Rad nicht erfunden und die Elektrizität nicht nutzbar gemacht worden. Dann gäbe es heute keine Autos, keine Computer und kein Internet. Wahrscheinlich würden wir noch immer in Höhlen sitzen und uns am Lagerfeuer wärmen.

Doch so utopisch ist der Wunsch gar nicht. Wer Städte wie Kopenhagen betrachtet, sieht, was heute schon geht. Wer dann noch auf die technische Entwicklung blickt, weiß, was bald alles möglich sein wird. Das alles lässt sich nicht von heute auf morgen ändern. Wahrscheinlich auch nicht bis übermorgen. Aber wenn wir nicht irgendwann beginnen, die Verkehrspolitik und unser eigenes Mobilitätsverhalten zu ändern, wird sich nie etwas tun. Letztendlich wünsche ich mir also, dass Magistrat, Stadtverordnetenversammlung und auch die Bürger dieser Stadt die Erkenntnisse der Bestandsanalyse als Arbeitsauftrag annehmen und endlich in die Puschen kommen. Damit der Wunsch irgendwann Wirklichkeit wird.

Erschienen im Sensor Wiesbaden #48

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