„ICH GLAUBE NICHT, DASS AUCH NUR EIN CLUB WEGEN DER GEMA-TARIFE WIRD SCHLIESSEN MÜSSEN“

Bei meinen Recherchen zu den neuen Veranstaltungstarifen der Gema interviewte ich einige Protagonisten der Wiesbadener Musikszene. Da mir diese recht ausführliche und auch interessante Antworten auf meine Fragen gaben, die ich nicht alle in dem Artikelunterbringen konnte, dokumentiere ich diese Antworten hier, um euch einen noch etwas tiefergehenden und umfassenderen Blick auf das Thema zu geben. Heute ein Interview mit Musikunternehmer Andy Ludyk .

Andy Ludyk ist Musikunternehmer, Journalist, Musiker und Vorsitzender der Regionalgruppe Mitte für Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland und Thüringen im Verband unabhängiger Musikunternehmen (VUT), in dem bundesweit knapp 1400 Musikfirmen vertreten sind. Zur Gema hat er eine differenzierte Meinung. Er selbst sei „nicht pauschal ein Pro-Gema-Meinungsträger“, sagt er. „Im Gegenteil, auch ich – sowohl als Musikschaffender als auch Betreiber zweier etablierter und international agierender Musikwirtschaftsunternehmen – halte viele Bereiche in der Struktur der Gema durchaus für stark verbesserungswürdig. Insofern begrüße ich die angelaufene Gema-Reform ganz klar und hoffe auf mehr Transparenz und gerechtere Verteilung zugunsten der Komponisten und Textdichter in der Zukunft! Was mich aber veranlasst, das Wort gegen die teilweise mit Halbwissen und- oder gar Unwissen agierenden „Gema-Basher“ zu erheben, zu denen auch einige Clubbetreiber gehören, ist die äußerst bedenkliche Kampagne, mit der Verbände wie Dehoga ein falsches Bild der Situation zwischen Gema und Clubbetreibern suggerieren.“ 

Dieses falsche Bild werde bedauerlicherweise auch zum Teil von den Medien in „Copy-and-PasteManier“ weiterverbreitet. Er vermisst eine sachliche Darstellung des Tarifstreits.

Herr Ludyk, die Gema hat Anfang April neue Veranstaltungstarife vorgestellt und erntet seitdem massive Kritik. Ab April 2013 sollen diese in Kraft treten. Ist damit das letzte Wort schon gesprochen?

Die veröffentlichten Tarife sind eine Verhandlungsbasis, mit der die Gema als Einstieg in das Schiedsgerichtverfahren beim Deutschen Patent- und  Markenamt (DPMA) notwendigerweise hineingegangen ist. Dazu musste die Gema einen Tarif veröffentlichen, der aber noch verhandelbar ist. Dass dies aber – und das ist für mich der Knackpunkt – von Clubbetreibern und der Dehoga als final gesetzt verbreitet wird, ist ganz klar falsch und dagegen stelle ich mich!

Der neu gegründete Verband der Musikveranstalter ist meines Wissens nach zudem bereits in Verhandlungen mit der Gema über einen Gesamtvertrag. Die Verhandlungen zwischen der Gema und dem Bund Deutscher Karneval (BDK) haben gezeigt, dass die Anfang April veröffentlichten Tarife nicht in Stein gemeißelt sind. Ich halte es für wahrscheinlich, dass die Regelung zum Aufschlag nach einer Spielzeit von derzeit acht Stunden und weitere Add-ons im veröffentlichten Tarif teilweise oder ganz herausverhandelt werden können.

Trotzdem klagen Clubbetreiber und Dehoga über angebliche Gebührenerhöhungen von mehreren Hundert Prozent. Das ist doch eine deutliche Mehrbelastung. 

Da mit dem BDK ein Stufentarif vereinbart wurde, der nach dem Gleichbehandlungsprinzip der Gema für alle Nutzer, also auch die Clubs gilt, wird es zum 1. April 2013 nicht zu einer sprunghaft steigenden Belastung der Clubs kommen. Ich glaube deshalb nicht, dass auch nur ein einziger Club wegen der Gema-Tarife schließen will, muss und wird. Nach Berechnungen des VUT bleiben die Tarife gerade für die kulturell spannenden kleinen Venues, die Veranstaltungen für kleinen Eintrittspreis anbieten, gleich oder sinken.

Also wird es nicht zum viel beschworenen „Clubsterben“ kommen?

Nein, ich glaube nicht, dass es deshalb zu einem „Clubsterben“ kommen wird. Wir reden hier über eine noch nicht feststehende prozentuale Beteiligung an den Eintrittseinnahmen, während die Umsätze anderer Natur, zum Beispiel aus Getränkeverkauf, außen vor bleiben wird.

Die Begrifflichkeit „Clubsterben“ ist Bestandteil der laufenden Anti-Gema-Kampagne und leider – so muss ich zugeben – ist ein Großteil der Bevölkerung (die sich wie gesagt mit der Thematik auch kaum auskennen wird und dafür sicher in der Tiefe auch nicht interessiert) für solche Plattitüden sehr offen und tritt diese auch unreflektiert breit. Diesen Vorteil zu nutzen, ist seitens der Betreiber zwar legitim, in meinen Augen aber höchst bedenklich.

Mich würde zum Beispiel interessieren, warum nach der kürzlichen Bierpreiserhöhung der Carlsberg-Gruppe kein ähnlicher Aufschrei erfolgte. Wo bleibt denn die Kampagne „Boykottiert Bier“ (Achtung: Ironie!)? Wie dem auch sei, „Bier und Musik“ ziehen in der Regel die Gäste und sind somit Umsatzbringer, insofern sollte beidem die entsprechende Wertigkeit zugestanden werden!

Kritisiert wird in diesem Zusammenhang auch die stichprobenartige, einstündige Aufzeichnung der Musikwiedergabe in Diskotheken, die zu viele Songs nicht erkennen würde.

Ich würde es begrüßen, wenn die Gema weiterhin prüft, ob das neu eingeführte präzisere inkassobezogene Ausschüttungssystem INKA durch ein modernes Trackerfassungssystem in den Clubs ergänzt werden kann und so zu transparenten und präzisen Ausschüttungen führt.

Wird es eine Lösung geben, mit der alle Beteiligten werden leben können?

Ich bin ich mir sicher, dass die beteiligten Verhandlungsparteien sicher in Bälde zur jeweiligen Zufriedenheit die Diskussion vom Tisch haben werden und wir, wenn ein Clubbetreiber nachhaltig arbeitet, keinerlei sterbenden Lokalitäten zu befürchten haben!

Bisher hier veröffentlicht zu diesem Thema:

NEUE GEMA TARIFE: PANIKATTACKE ODER REALE BEDROHUNG?

INTERVIEW MIT MARTIN SCHMIDT ZU DEN GEMA-TARIFEN

“DIE GEMA BETREIBT AUGENWISCHEREI”

“DIE GEMA HAT HARTE ZEITEN VOR SICH”

12 comments

  1. falksinss

    Ja, ich bin es leid andauernd unsachliche, polemische und zum Teil falsche Artikel und Posts über die Gema allgemein und die neue Tarifstruktur zu lesen.

  2. struppi

    Falk: Solche Artikel kannst du bei neuemodelle lesen. Das was er oder sie dort schreibt grenzt schon an Hetze und hat nichts mit sachlich und unpolemisch zu tun.

    Und auch der Artikel vomn Audiologin verrät nicht, wieviel denn letztlich die Autoren oder Texter bekommen, es wird überall nur von einer Bedrohung für die Kunst schwadroniert ohne dass die Leute, die eigentlich für das ganze bezahlen (du und ich, die Konsumenten eben), wefahren wer das Geld bekommt.

    Fakt ist die GEMA Einnahmen steigen in dem Masse, wie auch z.b. die Gehälter steigen und sie betragen ca. 1 Milliarden Euro jedes Jahr. Das ist eine freiwillige Leistung der Gesellschaft, die irgendwann mal im letzten Jahrhundert ausgedacht wurde (trotzdem gab es jahrhunderte davor schon Künstler, nur mal um das „Argument“ etwas zu entkräften).

    Aber niemand aus diesem System ist bereit konkrete Fakten zu nennen, weder was er selber bekommt noch wie das konkret verteilt wird. So bleibt für mich das Fazit, dass hier etwas vertuscht werden soll und gleichzeitig müssen wir als Musikkonsumenten dann auch noch beschimpfen, bleidigen lassen.

    Wenn soviele Gemalügen verbreitet werden, was sind denn die Gemawahrheiten?

    • falksinss

      Struppi: Welche Artikel? Unsachliche und polemische? Die findes sich fast überall im Netz. Über die Tarifstruktur wird leider unsachlich und polemisch berichtet. wer sich näher damit beschäftigt, stellt fest, dass eben nicht alle Clubs ab nächstes Jahr werden schließen müssen. Vor allem kleinere Läden werden günstiger fahren. Deutlich mehr müssen werden große Clubs mit teuren Eintrittspreisen. Dort zum Teil auch happig. Dass stimmt. Dass die im Verhältnis zu anderen Läden bisher deutlich weniger zahlen mussten, erzählen die aber auch nicht. Dass sich dieser Streit um die Tarife schon seit fünf Jahren hinzieht, wird auch gerne unter den Tisch fallen gelassen. Damit es überhaupt eine Einigung geben wird durch den Schiedsspruch des DPMA, musste die Gema die Tarife veröffentlichen. Dieser Schiedsspruch wird irgendwann nächstes Jahr ergehen und vielleicht beruhigen sich dann auch wieder die Gemüter.
      Über Sinn und Zweck der Gema diskutieren ist mühsig. Entweder man hält sie für sinnvoll (was ich tue). Oder man hält es halt für Quatsch. Aber ob das wirklich eine freiwillige Leistung der Gesellschaft sein soll? Ich denke, wenn jemand Musik für kommerzielle Zwecke verwendet, soll der Künstler auch daran beteiligt werden. Was ist falsch daran?
      Ein Ende der Gema ist sicher nicht das Ende der Kunst. Keine Frage. Früher wurden Künstler halt alimentiert. Mozart spielte bei Hof, Bach war Organist.
      Aber was kann die Gema dafür, dass Dieter Bohlen mehr Platten verkauft und mehr Besucher auf seinen Konzerten hat, als irgendeine kleine Rockband. Nix. Also bekommt Bohlen deutlich mehr als die kleine Rockband. Wie genau der Verteilungsschlüssel aussieht, wäre trotzdem interessant zu erfahren.
      Ja, es ist schwierig Zahlen zu bekommen. Niemand postet gerne, was er verdient. Ein Grund, warum Clubbetreiber so gegen die Reform sind, weil sie dann keine Pauschalverträge mehr abschließen können, sondern jeden Abend einzeln abrechnen müssen. Und läuft ein Abend schlecht, müssen sie ihre Einnahmen nachweisen. Aus welchen Gründen auch immer. Aber dann bleibt auch Du bei den Fakten. Die Einnahmen betrugen 2011 laut Geschäftsbericht 825,5 Mio. Euro. Eine Menge Holz, von der Milliarde aber noch ein bisschen weit weg. Vielleicht wird die dieses Jahr erreicht. Oder nächstes. Derzeit sind die Einnahmen der Gema aber rückläufig. Vielleicht kommt auch daher die Idee der Tarifstruktur. Kann sein.
      Allerdings sind auch die Kosten insgesamt rückläufig. Die Personalkosten lagen 2011 bei Gesamtkosten von 123 Mio. Euro bei 65 Mio. Euro, also mehr als 50%. Die Zahl der Mitarbeiter ist leicht gesunken. Insgesamt betrug die Kostenquote in den vergangenen Jahren etwas weniger als 15%. Ob das viel oder wenig ist, kann ich nicht beurteilen. Dafür bin ich kein BWLer.
      Dass das Gema-System stark reformbedürftig ist, bestreite ich gar nicht. Das weißt Du aber auch. Dass die Gema sich nicht gerne in Karten schauen lässt, ist blöd. Klar, aber Clubbetreiber und YouTube/Google lassen sich doch genauso wenig in die Karten schauen. Und was vertuschen dann die? Und wann hat die Gema Dich denn beschimpft und beleidigt?

  3. struppi

    Beschimpfungen kamen z.b. Sven Regener, nicht von der GEMA. Aber auch die Propagandvideos die die GEMA produziert hat, stellen Musikkonsumenten die Musik tauschen als Schwerverbrecher da.

    Und das die Einnahmen der GEMA sinken und „weit“ von einer Milliarden weg sind stimmt nicht. Auch letztes Jahr sind die EInnahmen weiter gestiegen und liegen jetzt bei über 900 Mio.

    Wieso sollte die Gesellschaft die Einnahmen der Künstkler einsammeln?
    Wenn Musik kommerziell genutzt wird, gibt es die Möglichkeit von Verträge, was ja auch gemacht wird.

    Das Problem des Dieter Bohlen, ist nicht das er Erfolgreich ist, sondern das durch die Intransparenz der GEMA der Eindruck entsteht, auch ehemalig Erfolgreiche weiterhin über die Maßen an den GEMA Einnahmen profitieren.
    Das habe ich auch in den Kommentaren unter dem anderen Interview geschrieben. Es kann ja nicht sein, dass jemand der vor 60 Jahren drei Töne „komponiert“ hat Millionen Einnahmen kassiert (und dessen Erben), während du mit ein paar Hundert abgespeist wirst (wenn es denn soviel bei dir ist).

    Alles in allem ist das jetzige System der Sargnagel für die Künsterlische Vielfalt, die gerade durch den Internetboom – u.a. dank filesharing – entstanden ist. Wir werden noch der musikalisch so aktiven 2000’ern nachtrauern.

    • falksinss

      Ich habe mich in meinem obigen Kommentar auf die Zahlen aus dem Geschäftsbericht 2011 bezogen. Dieser weist auf der Einnahmeseite 825,5 Mio. Euro aus. Das waren zu diesem Zeitpunkt die aktuellsten Zahlen. Und ich finde knapp 175.000.000 Euro Differenz schon „weit“. Aber da haben wir vielleicht einfach andere Definitionen. Ob der Geschäftsbericht 2012 schon vorliegt, weiß ich nicht, lässt sich aber leicht herausfinden.
      Ansonsten drehen wir uns einfach im Kreis. Wie ich hier und an anderer Stelle auf dieser Seite schon mehrmals geschrieben habe: Ja, es gibt viele Dinge am „System Gema“ zu kritisieren und viel zu verbessern. Ja, die Gema verhält sich oft genug scheiße und überbürokratisch. Ja, sie ist intransparent und für Außenstehende nur schwer zu durchschauen. Ja, sie stellt Veranstalter und DJs unter einen Pauschalverdacht, der sich nur sehr schwer widerlegen lässt und dreht den juristischen Grundsatz um, dass einem „Beschuldigten“ seine „Schuld“ nachgewiesen werden muss. Und hier gibt es eine Menge Verbesserungsbedarf
      Aber vom Grundgedanken finde ich es nicht verkehrt, wenn Künstler daran beteiligt werden, wenn ihre Musik von Dritten genutzt wird. Klar ist: Sie bräuchte ein ordentliches Update, dass den heutigen Bedingungen gerecht wird.
      Und grundsätzlich: Es wird niemand gezwungen Mitglied der Gema zu werden. Wer sich von ihr vertreten lassen will, soll das tun. Ich will es nicht. Es gibt andere Möglichkeiten, seine Musik schützen zu lassen, wenn man das will, per Creative Commons zum Beispiel.

      Und ich weiß nicht, wer dir dieses Ammenmärchen aufgetischt hat, ich sei in der Gema. Ich war nie in der Gema, bin nicht in der Gema und werde auch nie in der Gema sein. Auch sonst ist niemand von Front Mitglied der Gema. Also höre endlich auf damit, dies hier zu verbreiten.

      Das Problem an Dieter Bohlen ist eben schon, dass er erfolgreich ist. Nach jeder DSDS-Staffel stehen seine Songs wochenlang in den Charts. Deshalb bekommt er mehr, als andere, die nicht so erfolgreich sind. Und wenn jemand vor 60 Jahren einen Song geschrieben hat, der auch heute noch im Radio und Fernsehen rauf- und runtergespielt wird, in Werbespots oder Computerspielen kommerziell genutzt wird, dann verdient der Urheber oder wer immer inzwischen die Rechte daran auch heute noch. Finde ich ok.
      Warum das jetztige System der Sargnagel für künstlerische Vielfalt sein soll, verstehe ich nicht. Auch in den 2000ern gab es die Gema und kleinen Läden und Veranstaltern das Leben schwer gemacht.

  4. struppi

    Ich hatte nur die Zahlen von wikipedia, dort stehen andere. Aber dort kannst du die Zahlen seit 2000 sehen, die fast kontinuirlich gestiegen sind.

    Ach die GEMA Mitgliedsschaft.
    Das war eine rethorische Aussage, keine Behauptung, um die Ungerechtigkeit des GEMA System zu untermauern. Bohlen kriegt viel, egal was er macht, bei dir wäre es nicht einmal soviel wie du zahlen müßtest, um Mitglied zu sein. Mit Du meinte ich nicht dich, sondern uns alle

    Noch ein Wort, natürlich ist es eine freiwillige Leistung der Gesellschaft, dass es Künstler erlaubt ist Gebühren auf Dinge zu erheben, die irgendwie zur Vervielfältigung benutzt werden könnten. Das aufführen von Musik zu kontrollieren und mittels der „GEMA Vermutung“ auch Musiker und Auftrittsorte zu sanktionieren die keine GEMA Musik spielen – wie das Beispiel z.b. in der KTS Freiburg. Das hat alles die Struktur einer staatlicher erhobenen Gebühr, ist aber in Wahrheit der gute Wille der Gesellschaft Musiker zu bezahlen.
    Das diese aber das System nutzen, uns Konsumenten unter Druck zu setzen und mit hohen Strafen zu belegen, zeigt mir, dass es abgeschafft gehört.

    Es war um die 2000’er einfacher online an jegliche Musik zu kommen, das hat zu einen unglaublichen Schub an Live Konzerte und Vielfalt geführt. Seit dieser Deckel wieder drauf sitzt nimmt das deutlich ab.

    • falksinss

      Dann würde ich Dir raten, Dich künftig um richtige Zahlen zu bemühen. Dass bei Wikipedia nicht unbedingt immer alles richtig ist, was dort steht, solltest Du eigentlich wissen. Aber das ist Dir wahrscheinlich eh egal,Du hast Deine Meinung und von der rückst Du nicht ab. da müssen die Fakten auch nicht immer stimmen. Meinetwegen.
      Dass die „Gema“-Vermutung ein Unding ist, da gebe ich Dir recht. Das hatte ich aber auch schon an anderer Stelle geschrieben.
      Zur freiwilligen Leistung der Gesellschaft: Natürlich ist das eine freiwillige Leistung der Gesellschaft, genauso wie das Zahlen von Hartz IV oder die Zwangsmitgliedschaft in einer Krankenversicherung. Da sich die Gesellschaft aber irgendwann einmal darauf verständigt hat, kann ich es verstehen, wenn Urheber gerne mitverdienen wollen, wenn andere an ihrer Musik verdienen. Dass die Gema hier oft mit Kanonen auf Spatzen schießt, keine Frage.
      Warum es in den 2000ern leichter gewesen sein soll an Musik zu kommen, verstehe ich immer noch. Es war doch noch nie so leicht an Musik zu kommen. Egal was Du suchst, wirst Du auch irgendwo finden. Selbst irgendeine 7″, die 1979 in Mexiko in 300er Auflage erschienen ist, wirst Du in irgendeinem Blog finden. Vor zehn Jahren war das meiner Meinung nach schwerer. Aber was die Gema damit zu tun haben soll, verstehe ich auch nicht ganz. Gewöhnlich waren oder sind Plattenlabels oder Musiker (z.B. Metallica), die juristisch gegen Tauschbörsen vorgegangen/vorgehen sind.

  5. struppi

    Ich bitte dich!
    Ja ich weiß, dass bei Wikpedia manchmal etwas falsches steht, wenn ich das mitbekommen ändere ich es. Die Zahlen bei Wikipedia sind aber eine Übersicht über die letzten 10 Jahre und davon stimmen alle, nur die von 2011 und 2012 nicht, ich vemute jemand hat da Prognosen reingeschrieben. Ich hab aber die Zahlen geändert – das ist Wikipedia, da kann jeder falsche Fakten korrigieren.

    Mir dann aber zu unterstellen mich würden keine Fakten interesieren, ist wohl etwas an den Haaren herbeigezogen.

    Das das Urheberrecht so etwas ist, wie die Krankenkasse der Verwerter ist, ist eine Interessante Einstellung. Aber das jetzige System der GEMA dient in erster Linie den Verwertern, als Disney, Warner, Sony und Bertelsmann, bei den Urhebern kommt da nicht viel an. Oder wer sind diese „ordentlichen Mitglieder“ der Gema, die 2/3 der Ausschüttungen bekommen?

    Aber wie auch immer – du sagst ja selbst, dass die GEMA in vielen Punkten Scheiße ist, dann gibt es eigentlich gar nicht soviel darüber zu diskutieren.

    Es ist mit Sicherheit heute nicht mehr so einfach wie vor 10 Jahren kostenlos Musik im Internet zu finden. Schau es dir mal genauer an! (Wenn dich Fakten interessieren :-p ) Es gibt kaum noch Filehoster, wo du über einen längeren Zeitraum Musik abspeichern kannst. Viele Blogs sind Tod, bzw. die Downloadlinks der Alben nicht mehr erreichbar.

    Ich gebe dir aber recht, dass es für manche ganz exotische Sachen durchaus noch Quellen gibt. Aber irgendetwas zu finden, was aktueller als 20 Jahre ist, wird immer schwerer.

    Die 2000’er waren für Livebands eine Riesensache. Die Umsätze der Tonträger brachen ein, aber es kamen viel mehr Leute auf Konzerte. Für mich besteht da ein kausaler zusammenhang in der freien Verfügbarkeit von Musik, die damals durch Tauschbörsen wesentlich einfacher war.

    Ich denke daher nach wie vor, dass die freie Verfügbarkeit von Musik, für Vielfalt und einem dynamischen Musikmarkt förderlich ist. Letztlich ist es das was du als Kleinlabel machst, jeder veröffentlicht das was er möchte und was im gefällt. Ich denke doch nicht, dass dein Label viel GEMA Umsatz macht und die Bands kriegen von dir sicher auch nicht viel Kohle. Es geht nur darum, Musik zu verbeiten und da ist die GEMA hinderlich.

    • falksinss

      Dir zu unterstellen, sich nicht für die Fakten zu interessieren, war falsch. Sorry, war nicht so gemeint.
      Dass das Urheberrecht etwas wie die Krankenkasse der Verwerter ist, habe ich nicht geschrieben. Ich meinte damit nur, dass niemand die Gesellschaft (so schwammig der Begriff auch ist) gezwungen hat, ein Urheberrecht zu verfassen genauso wenig, wie sie gezwungen wurde eine Sozialversicherung einzurichten. Dass das eine wichtiger (das Letztere, nur damit keine Missverständnisse aufkommen) ist als das andere, sollte ja wohl klar sein.
      Mag sein, dass es weniger Filehoster gibt bzw. gespeicherte Sachen dort schneller verschwinden, so sehr habe ich das nicht im Überblick, da ich Vinyl einer MP3 immer noch vorziehe. Dafür hast Du aber zig Streamingangebote wie Spotify, wo Du (noch?) Musik hören kannst, ohne was zu zahlen. Und es gibt zum Beispiel Bandcamp oder Soundcloud, wo Du Musik ohne Ende hören und zum Teil auch kostenlos herunterladen kannst. Also wenn Du einen bestimmten Song oder ein bestimmtes Album hören willst, solltest Du das auch finden können.
      Und das die Filehoster rigider vorgehen, liegt sicher nicht allein an der Gema, sondern an Labels und Künstler, die alles mit Abmahnungen und Schadensersatzklagen überziehen.
      Die Konzertsituation ist noch einmal ein anderer Punkt. Früher haben Bands Konzerte gespielt, um ihre neue Platte zu promoten. Heute wird eine Platte aufgenommen, um live zu spielen. Aber das die Zahl der Konzerte weniger geworden ist, kann ich auch nicht sehen. Eher, dass bei den Leuten eine gewisse Übersättigung eingetreten ist und deshalb die Zuschauerzahlen teils rückläufig sind. Selbst in einer eher toten Stadt wie Wiesbaden, kann ich fast jeden Abend ein Konzert besuchen. Oftmals dann aber nur vor zehn, zwanzig Leuten.
      Mein Label macht gar keinen GEMA-Umsatz, da ich kein Verwerter bin. Höchstens muss ich dann und wann Geld an die GEMA zahlen, weil jemand aus den Bands Mitglied der GEMA ist.

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