Mach’s gut Folklore!

Ständiger Begleiter in 29 Jahren: der Regen
Ständiger Begleiter in 39 Jahren: der Regen

Dieses Wochenende wäre eigentlich Folklore gewesen, doch leider ist es das erste Wochenende seit 40 Jahren, an dem kein Folklore in Wiesbaden stattfindet. Ein kleiner persönlicher und wehmütiger Rückblick.

Dieses Wochenende wäre eigentlich Folklore gewesen, wenn, ja wenn die Betreibergesellschaft, die Volkswirtschaft UG nicht hätte Insolvenz anmelden müssen. Doch leider wollte die Stadt Wiesbaden der finanziell in Schieflage geratenen Volkswirtschaft UG nicht aus der Patsche helfen. Und ohne Zuschüsse, die es die Jahre davor immer gab, leider kein Folklore mehr. Seinen 40. Geburtstag durfte das Festival leider nicht mehr erleben. So gucken alle, für die das letzte Wochenende im August ein fester Termin war (und wahrscheinlich noch etliche Handwerker und Dienstleister, die aufgrund der Insolvenz noch auf ihr Geld warten) in die Röhre. Oder vertreiben sich das nun freie Wochenende irgendwo anders, zum Beispiel bei der Eröffnung des Westend Gardens, auf Partys oder Konzerten. Doch irgendwie ist es nicht dasselbe. Mir zumindest wird es so gehen.

Die vergangenen 20 Jahre war Folklore ein fester Teil meines Lebens. Sei es als Helfer, als auftretender Künstler, als Standbetreiber oder einfach als Gast – zuerst auf dem Freudenberg, später dann am Schlachthof. Ich habe dieses Festival geliebt.Und nicht wegen, sondern trotz der Musik. Es gab Jahre, da trafen die Organisatoren voll meinen Geschmack und ich kam kaum hinterher, mir alles anzusehen. Und dann gab es Jahre, da lockten mich vielleicht eins, zwei Bands kurz vor die Bühne.

Aber Musik war mir, wie schon geschrieben, egal. Für mich war Folklore wie ein Klassentreffen, bei dem man nur die Kumpels trifft. Fast alle netten Leute aus der Region oder die mal in der Region gelebt haben (und manche auch von weiter her) traf man mindestens einmal am Wochenende irgendwo auf dem Festivalgelände. Und mit den Standhaftesten versackte man sonntags dann so richtig bis in die frühen Montagsstunden hinein. Diese gelöste, entspannte Stimmung war schon besonders und wird mir fehlen.

Und natürlich werde ich den Dinnelestand vermissen. Wie ich diese Teile liebe. Meist habe ich an Folklore nichts anderes gegessen, erst mit Kartoffeln und Zwiebeln, später mit Kartoffeln und Speck. Jetzt muss ich mir das Rezept besorgen und selbst tätig werden – nur ich weiß jetzt schon: es wird nicht so schmecken wie Folklore. Ich werde diesen Geschmack vermissen. Deshalb: Mach’s gut Folklore! Es war schön mit Dir.

Anmerkung: Da ich nicht rechnen kann, stand in einer ersten Version, Folklore wäre dieses Jahr 30 Jahre als geworden. Tatsächlich wäre es aber 40 Jahre alt geworden.

5 comments

  1. Pingback: Der sensor-Wochenendfahrplan: So viel Großartiges los in Wiesbaden, dass man (fast) Folklore-Wegfall verschmerzen könnte | sensor Magazin – Wiesbaden
  2. Gerhard Schulz

    Hi Falk Fatal,

    da sieht man mal wie viel jünger Du bist….
    „Folklore“ wäre in diesem Jahr nicht 30 sonder 40 (!) geworden…
    Tja, es ist wirklich traurig. Das es rum ist ist das eine. Aber wie es gehen musste etwas anderes!
    Grotesk!
    Aber: wie jede/r weiss: every new beginning comes from some other beginning´s end.
    Ich war immerhin seit 24 jahren das erste mal in den letzten zwei Augustwochen im Urlaub.
    Ich bin auch nicht an physische und psychische Grenzen gestoßen, habe keine wochenlangen Debatten hinter mich gebracht und habe nicht um jeden Besucher gebangt der Eintritt zahlt umd die Kosten zu decken.
    Ok, ich habe auch nicht dieses „Folklore-Gefühl“ gehabt, diese Euphorie und die Plackerei in Hitze und Regen die Verschleierung der Erschöpfung im Nebel des Gerstensaftes.
    Yeah: We had it all!

    Danke Falk! danke „Folklore“! danke Crew! danke Leute! danke Künstler! danke Rock´n Roll !

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