Schon bald sollen goldene Zeiten anbrechen

Um ihre CD zu finanzieren, ging „Rokoko“ ungewöhnliche Wege

wiesbaden. Rokoko – lautmalerisch erinnert das an jene kunstgeschichtliche Epoche, in der auf überbordende Verzierungen und Symmetrie verzichtet und statt fester Formen, leichte, zierlich gewundene Linien und rankenförmige Umrandungen verwendet wurden. Doch wer jetzt vom Rokoko auf die Wiesbadener Band Rokoko und ihre Musik schließen will, liegt falsch. Überbordende Verzierungen sucht man zwar auch hier vergebens, doch verzichtet das Quintett nicht auf Form und Struktur. Diese füllen sie mit wundervollem deutschsprachigem Indie-Pop, der sich mit großen Namen durchaus messen kann.

In dieser Formation gibt es Rokoko seit Anfang 2008, bis zum Dezember letzten Jahres allerdings noch unter dem Namen Dirtfloor. Warum aber der Namenswechsel? „Wir wollten einen deutschen Namen passend zu den deutschen Texten. Zum anderen gab es innerhalb der Band einen kleinen Besetzungswechsel, und auch musikalisch haben wir uns in eine Richtung entwickelt, die uns das Gefühl gab, eine neue Band zu sein. Ein neuer Name musste also her“, erklärt Bassist Andreas Rollbühler.

Und mit neuem Namen ging es für die Band, die neben Andreas noch aus Martin Mengden (Gesang, Gitarre), Dominik Fink (Gitarre), Tobias Theisen (Synthesizer) und Felix Mannherz (Schlagzeug) besteht, stetig voran. Im August gewann das Quintett die Teilnahme an der Local-Band-Explosion auf Folklore mit den meisten Stimmen, im September kamen sie bis ins Halbfinale des Radioaward für neue Musik, der von drei ARD-Radiosendern ausgelobt wird, und ihre Debut-EP „Alte Straßen, neue Wege“ fand nicht nur bei Kritikern viel Lob. Das gleiche Schicksal, so hoffen sie, soll auch ihrem neuen, Ende Dezember veröffentlichten Album „Goldene Zeiten“ widerfahren.

Um die CD zu veröffentlichen, ging die Band ungewöhnliche Wege. Sie führte die jungen Herren zum Beispiel durch verschiedene Wiesbadener Kneipen und Clubs, wo sie Wirte und Gäste mit einem spontanen Akustikkonzert überraschten und anschließend nach alter Sitte den Hut rumgingen ließen. Außerdem konnte man Rokoko auch für Privatkonzerte buchen.

„Die Privatkonzerte haben wir verkauft, um die Produktionskosten unserer neuen CD zu finanzieren“, erklärt Andreas. „Das Ganze funktionierte praktisch an jedem Ort, da wir akustisch spielen und nur wenig Platz für unsere Instrumente benötigen.“ Deshalb konnte die Band auch im Wohnzimmer auftreten, wo man naturgemäß viel leiser als auf einem richtigen Konzert sei, betont Andreas.

Man merkt, dass hier eine Band nicht nur einfach ihrem Hobby frönt, sondern mehr will: „Für uns alle wäre es das Größte, von der Musik leben zu können und dafür investieren wir im Moment auch viel Zeit. Das Ganze ist zwar noch ein Traum, trotzdem haben wir das auch als konkretes Ziel vor Augen“, bestätigt Andreas den Eindruck.

Illusorisch ist dieser Traum sicher nicht. Davon zeugen die 13 Indie-Popsongs von „Goldene Zeiten“, die sich auch vor bekannten Namen der deutschen Indieszene wie Tomte, Anajo oder Virgina Jetzt nicht zu verstecken brauchen. Durchaus möglich also, dass für Rokoko demnächst goldene Zeiten anbrechen.

Erschienen am 7. Januar 2010 im Wiesbadener Kurier

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