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FALK FATAL zwischen urbanem Trott und Provinz-Marotten

Wer diese Kolumne regelmäßig liest, weiß, dass ich eigentlich ein Trottel vom Land bin, der irgendwann nach Wiesbaden gezogen ist. Das ist fast 18 Jahre her. Nicht mehr lange und ich habe die eine Hälfte meines Lebens in Wiesbaden verbracht und die andere Hälfte dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Man kann also sagen, ich kenne die Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Der offensichtlichste Unterschied: In Wiesbaden würde niemand auf die Idee kommen, mich einen Zugezogenen zu nennen. Die ersten Monate war ich vielleicht noch ein Neu-Wiesbadener, doch mit jedem Monat länger in der Stadt, verschwand das “Neu” immer mehr. In dem Dorf, in dem ich aufwuchs, wäre das undenkbar. Da wäre ich auch nach 20 Jahren noch ein Zugezogener. Weiterlesen

FALK FATAL deckt auf

Diese Kolumne ist dem unbekannten Leser gewidmet, der immer noch glaubt, die Presse allgemein und der Sensor im Speziellen würden nicht frei berichten, sondern nur schreiben, was die Regierung befiehlt. Als Beleg dazu dient ihm auch diese Kolumne. Früher sei der Kolumnist bissig gewesen, heute würde er nur noch angepasst schreiben.

Tja, was soll ich sagen? Es ist alles wahr. Man ist uns auf die Schliche gekommen. Wir schreiben nur, was man uns vorgibt. 

Jeden Morgen klingelt um 8 Uhr bei allen 72.500 deutschen Journalisten (und zeitversetzt bei den Auslandskorrespondenten deutscher Medien) das Telefon. Im Display leuchtet eine Berliner Vorwahl auf. Ich weiß dann schon, wer am anderen Ende der Leitung sein wird: Regierungssprecher Steffen Seibert oder jemand aus seinem Mitarbeiterstab, um mir mitzuteilen, was ich heute schreiben soll. Diese Gespräche sind kurz und knapp, aber dennoch auf das jeweilige Fachgebiet der Journalisten abgestimmt. Weiterlesen

FALK FATAL schätzt den Kompromiss

Der menschliche Körper ist manchmal ein marodes Miststück. Zumindest in meinem Fall war er das. Gebeutelt von einer fiesen Erkältung lag ich eine Woche lang flach. Leider genau in der Woche, in welcher der Visionäre Frühschoppen stattfand, bei dem das alternative Konzept für das Walhalla vorgestellt und diskutiert wurde. Das hat mich sehr geärgert, denn ich wäre gerne vor Ort gewesen.

Zum einen natürlich, weil mich interessiert wie es mit dem Walhalla weitergeht. Das ist auch keine unbedeutende Frage, schließlich geht es um die Zukunft eines einzigartigen städtischen Raums. Soll dieser künftig von einem Varietéunternehmen genutzt werden, das ein relativ starres Programm hat, oder von mehreren Kulturunternehmern, die zwar mehr Vielfalt bieten, aber für die Stadt ein größeres Risiko bedeuten, weil mehr Parteien am Tisch sitzen. Keine einfache Entscheidung. Für beide Vorschläge gibt es – je nach Standpunkt – gute Argumente. Weiterlesen

FALK FATAL wünscht sich eine bessere Diskussionskultur

FalkFatal-260x3122016 war in vielerlei Hinsicht ein schlimmes Jahr mit dem Terroranschlag in Berlin als traurigem Höhepunkt. Es war aber auch das Jahr in dem die Grautöne fast vollständig verschwanden, in dem es angeblich nur schwarz oder weiß gab. Fast egal um welches Thema es ging, sofort bildeten sich zwei Lager heraus, die jeweils für sich die absolute Wahrheit beanspruchten. Sei es die Flüchtlingsfrage, der Krieg in Syrien, der Umgang mit der Terrorgefahr oder der Verkehr in Wiesbaden – moderate Stimmen, die sich um Ausgleich bemühten und den Kompromiss suchten, waren kaum zu vernehmen und wenn, wurden sie meist sofort von einem oder beiden der sich feindlich gegenüberstehenden Lagern niedergebrüllt. Ernsthafte Diskussionen, die sich auf Fakten stützten und nach einer Lösung für die Probleme suchten, waren kaum möglich. Stattdessen wurden sich meist nur Meinungen, die auf unbestimmten Gefühlen beruhen, entgegen geschleudert. Für das friedliche Fortbestehen dieser Gesellschaft ist das bedrohlicher als der Terror des Islamischen Staates. Weiterlesen

FALK FATAL hat Brass

FalkFatal-260x312Wiesbaden Du alte Hippe! Immer wenn ich denke, Du wärst eine coole Socke, zeigst Du Dich von Deiner hässlichen Seite. Dabei warst Du doch auf einem guten Weg. Wer im ausklingenden Spätsommer abends am Sedanplatz vorbeikam und die Menschen gut gelaunt in und vor den Kneipen sowie auf dem einstmals größten Hundeklo des Westends sah, konnte ein bisschen Großstadtflair einatmen. Doch seitdem vermehrt graue Wolken den Himmel über Wiesbaden bevölkern und die Temperaturen fallen, ist auch der Großstadtflair weitergezogen. Das Nachtleben, dieses zartes Pflänzchen, verkraftet diesen Temperatursturz nur schwer.

Kaum weht der Herbst die Blätter von den Bäumen, muss das Gestüt Renz schließen, weil drei Anwohner den Tumult, den ein Club mit sich bringt, nicht tolerieren wollten. Der Aufschrei in den Tagen danach war groß. Selbst der Oberbürgermeister kommentierte die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Kassel auf Facebook mit einem fetten Dislike. Allerdings fragt man sich dann, warum die Stadt Wiesbaden vor einigen Jahren dem Gestüt den Betrieb als „Vergnügungsstätte“ dann überhaupt untersagt hat. Weiterlesen

FALK FATAL wünscht sich mehr Empirie

FalkFatal-260x312In den sozialen Netzwerken bewege ich mich gerne in lokalen Facebook-Gruppen und lese, was meine Mitmenschen bewegt. In jüngster Zeit frage ich mich allerdings immer öfter, ob ich in der selben Stadt wie viele der Kommentatoren lebe? Kaum postet jemand einen Artikel über einen Überfall oder Körperverletzung in Wiesbaden, liest man Sätze wie: „Hier ist es nicht mehr sicher.“ Oder: „Nach Einbruch der Dunkelheit, traue ich mich nicht mehr auf die Straße.“ Ich frage mich dann immer: Reden die wirklich über Wiesbaden und nicht über Kapstadt oder Caracas?

Sicher, das persönliche Sicherheitsempfinden muss nicht der reellen Sicherheitslage entsprechen. Besonders wenn man selbst Opfer solch einer Straftat war. Ich bin Anfang der 2000er Jahre an der Ecke Schiersteiner Straße/Adelheidstraße von zwei Deutschen zusammengeschlagen worden.Viel schlimmer als die aufgeplatzte Lippe und das ramponierte Nasenbein war das diffuse Bedrohungsgefühl, das ich die nächsten Wochen vor allem abends und nachts hatte. [Jetzt auch hörbar als Audiotrack. Einfach ans Ende des Beitrags scrollen.] Weiterlesen

FALK FATAL vermisst das Sommerloch

FalkFatal-260x312Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da zeigte die Tagesschau im Sommer Helmut und Hannelore Kohl entspannt in ihrem Feriendomizil am Wolfgangsee. Die Bild-Zeitung berichtete über die irre Forderung eines CSU-Hinterbänklers aus dem Bundestag, der Mallorca zum 17. Bundesland machen wollte. Dieses Jahr hätten sich sicher viele Menschen die gute alte Sommerloch-Zeit zurückgewünscht. Stattdessen gab es einen Horror-Sommer.

Die Briten entschlossen sich mit knapper Mehrheit für den Brexit, ein Islamist fuhr in Nizza am Nationalfeiertag in eine Menschenmenge, weil er glaubte, damit Allah einen Gefallen zu tun. Einen Tag später wurde in der Türkei ein Militärputsch niedergeschlagen, den Präsident Erdogan seitdem zum Anlass nimmt, all seine Kritiker mundtot zu machen. Kurz darauf schwang ein bekloppter Islamist in einem Regionalzug nahe Würzburg bewusst die Axt und verletzte vier Menschen schwer. Ein paar Tage später läuft ein Bewunderer Anders Breivik und angeblicher AfD-Anhänger am fünften Jahrestag der Osloer-Anschläge in München Amok und tötet neun Menschen mit Migrationshintergrund. Wiederum nur wenige Tage später, verübt ein abgelehnter Asylbewerber einen Sprengstoffanschlag in Ansbach, bei dem er glücklicherweise nur sich selbst verletzt. Zwei Tage später schneiden zwei Islamisten einem Pfarrer in einer Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray die Kehle durch. Weiterlesen

FALK FATAL liebt Fußball-Dramen

FalkFatal-260x312Ommes von der SpVgg. bekommt den Ball im Mittelfeld zugesteckt, lässt Jupp aussteigen und zieht aus rund 20 Metern ab. Ein Schuss wie ein Strahl. Die Spieler sowie die knapp 150 Zuschauer, die sich um den Platz des SSV versammelt haben, schauen gespannt dem Ball hinterher. Es geht schließlich noch um einiges. Es ist der letzte Spieltag der C-Jugend-Saison 1992/93 und der SSV kann noch Meister werden. Das gab es seit Jahren nicht mehr, dass eine Mannschaft des SSV einen Titel holen kann. Wir liegen punktgleich mit der SpVgg. auf Platz 2. Ein Sieg heute und wir sind Meister.

Das Spiel wogt hin und her. Tore? Bisher Fehlanzeige. Dann zieht Ommes ab. Viele Gelegenheiten wird es nicht mehr geben. Der Schiri hat schon mehrmals auf seine Uhr geschaut. Jetzt ein Treffer und das Spiel wäre entschieden. Der Ball fliegt weiter Richtung Tor. Guiseppe im Tor des SSV streckt sich so gut er kann. Doch er ist zu klein und pummelig und verpasst den Ball. Aber genau deshalb ist er der perfekte Torwart für uns. Weiterlesen

FALK FATAL hält Kurs

FalkFatal-260x312Wiesbaden hat gewählt. Das Ergebnis ist so schlimm wie von vielen befürchtet. Knapp 13 Prozent der Stimmen sind auf die AfD entfallen. Damit sitzen mindestens die nächsten fünf Jahre elf Rassisten, Nationalisten sowie Feinde der Demokratie und der offenen Gesellschaft in der Stadtverordnetenversammlung – oder zumindest elfzehn Männer und eine Frau, die kein Problem damit haben, in einer Partei zu sein, die solches propagiert. Die Ergebnisse der Landtagswahlen in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt sind nicht minder erschreckend.

Wenn die Frage aufkommt, wie Hitler Reichskanzler werden konnte, ist gerne von der Machtergreifung die Rede. Das klingt brutal und nach einem Akt der Gewalt. Doch es verschleiert, wie Hitler an die Macht gelangte. Denn die NSDAP wurde demokratisch gewählt und Hitler anschließend von Reichspräsident Paul von Hindenburg zum Reichskanzler ernannt. Erst Hitlers  Ermächtigungsgesetz beendete gemeinsam mit der Reichstagsbrandverordnung die Weimarer Demokratie und bedeutete den Beginn der Nazi-Barbarei. Die Demokratie wurde durch eine demokratische Wahl abgeschafft. Weiterlesen

FALK FATAL hat den Neujahrs-Blues

FalkFatal-260x312Neues Jahr, neues Glück, tut der Volksmund gerne kund. Damit ist die Vorstellung verbunden, dass der Jahreswechsel einen Cut bedeutet, dass die Welt zumindest für einen kurzen Moment zur Ruhe kommt. Für einen selbst mag das stimmen: für die meisten von uns entschleunigt sich zwischen den Jahren das Leben. Doch während die Weihnachtsgans noch verdaut und das Raclette für Silvester vorbereitet wird, dreht die Welt sich einfach weiter.

Bestes Beispiel sind die sexuellen Belästigungen, die in der Silvesternacht in Köln und in anderen Städten begangen wurden. Die Übergriffe sind gleich mehrfach schlimm. Am schlimmsten natürlich für die betroffenen Frauen. Aber auch für die hier lebenden Migranten, Flüchtlinge und Deutsche mit Migrationshintergrund, die friedlich ihr Leben leben und jetzt von den Rassisten, die sich gerne besorgte Bürger nennen, in einen Topf mit den Silvester-Straftätern geworfen werden. Weiterlesen