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FALK FATAL ist auf den Hund gekommen

FalkFatal-260x312Wenn man mich früher fragte, wie ich es mit Hunden halte, antwortete ich meist mit einem Lied der Berliner Punkrockband Terrorgruppe. „Der Bernhardiner ist mir der Liebste, denn er trägt ein Fässchen voller Brandwein. Darum sollten Bernhardiner die einzigen Hunde auf der Erde sein“, sang ich meinen Gesprächspartnern dann vor – womit sich das Gespräch über Hunde meist erledigte (was aber auch meinen Sangeskünsten liegen kann). Es war nicht einmal so, dass ich groß etwas gegen Hunde hatte. Ich wollte einfach keinen besitzen. Zu viel Verantwortung und Einschränkung schien es mir, sich um einen Hund zu kümmern. Ich habe ja schon genug damit zu tun, für mein eigenes Leben Verantwortung zu tragen, wie soll das dann bei einem anderen Lebewesen funktionieren, redete ich mir ein.

Was war ich für ein Narr! Weiterlesen

FALK FATAL ist dumm und glücklich

FalkFatal-260x312Wiesbaden ist die dümmste Stadt Deutschlands. Das sage nicht ich, sondern die Website mein-wahres-ich.de. Die ist für ihre fundierten Psychotests bekannt. „Welcher 80er Jahre Serienstar bist du?“, ist so ein Test. Ich weiß jetzt, dass ich Magnum bin. Dabei habe ich bei Frage 2: „Wie kommst Du zur Arbeit?”, nicht „Im Ferrari Testarossa” angeklickt, sondern „Zu Fuß”. Weitere Tests verraten mir, welcher Cocktail ich wäre (Long Island Iced Tea) oder welche Asterix-Figur zu mir passt (Asterix). Die Tests werden sicherlich von den besten Psychologen entworfen. Qualität pur. Die Website bietet auch einen IQ-Test an. Den haben im April 100.000 Menschen gemacht und das Ergebnis ist wenig schmeichelhaft für die hessische Landeshauptstadt. Mit einem Durchschnitts-IQ von 104 liegt Wiesbaden auf dem letzten Platz. Ein kleiner, nicht repräsentativer Spaß für Facebook.

Trotzdem wurde ich stutzig, als ich mir die Rangliste anschaute. Die sieht von unten betrachtet nämlich genauso aus, wie das Ranking der fahrradfreundlichsten Städte Deutschlands. Auf dem letzten Platz liegt jeweils Wiesbaden. Vielleicht ist der Test doch repräsentativer als gedacht. Zwischen IQ und Fahrradfreundlichkeit sehe ich auf jeden Fall einen Zusammenhang. Weiterlesen

FALK FATAL war spazieren

FalkFatal-260x312Am 19. Januar nahmen rund 10.000 Menschen am „No Pegida Spaziergang“ vom Hauptbahnhof zum Schlossplatz teil und das trotz winterlicher Temperaturen, die etliche Spaziergänger frieren ließ. 10.000 Menschen, die für Offenheit, Toleranz, Demokratie und Solidarität spazierten. 10.000 Menschen, die zeigen wollten, dass in Wiesbaden kein Platz für Hass und Gewalt ist. Der „No Pegida Spaziergang“ war ein kraftvolles, ein eindrucksvolles Zeichen für ein weltoffenes und tolerantes Wiesbaden. Aber der Spaziergang kann nur der Auftakt gewesen sein.

Denn selbst wenn Pegida, Legida und Co. in den vergangenen Wochen rückläufige Teilnehmerzahlen verzeichnet haben, heißt das nicht, dass die Einstellungen und Wahrnehmungen, die die Menschen auf die Straße getrieben haben, plötzlich verschwunden sind. Die sind immer noch da. Dafür reicht der Blick in die Kommentarpalten vieler Onlinemedien oder in den sozialen Netzwerken. Weiterlesen

FALK FATAL mag gewisse Redewendungen nicht

FalkFatal-260x312Seit einiger Zeit haben zwei Redewendungen Konjunktur, die ich echt nicht mehr hören kann. Die eine ist: „Man wird ja wohl noch sagen dürfen.“ Die andere lautet: „Das hat damit aber nichts zu tun.“ Beide klingen recht harmlos, sind sie aber nicht.

Wenn Menschen Sätze mit „Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass…“ beginnen, geht der Satz garantiert nicht gut weiter. In der Regel folgen dann Verweise auf die angeblich unmenschliche Politik Israels, die Juden, die USA, die NSA oder CIA, die Lügenpresse oder die angeblich drohende Überfremdung und Islamisierung Deutschlands. Gleichzeitig suggeriert diese Redewendung, dass man hierzulande nicht alles sagen darf. Was falsch ist. Man darf in diesem Land alles sagen, was man will, solange man damit keine Gesetze verletzt. Weiterlesen

FALK FATAL hält inne

FalkFatal-260x312Die Stadt ist im Wandel. Permanent. Wer schon ein paar Jahre in Wiesbaden lebt, weiß das. Der Schlachthof, der zurzeit sein 20-jähriges Bestehen feiert, ist das beste Beispiel. Als ich Mitte der 1990er Jahre das erste Mal den Schlachthof besuchte, war das Gebäude eines von vielen ehemaligen Lagerhallen. Das komplette Gelände war eine Wüste aus Beton. Der Gedanke, dass dort einmal eine der größten innerstädtischen Grünflächen zum Abhängen für die Jugend entstehen wird, war damals so fern, wie der FC St. Pauli von der deutschen Meisterschaft.

Im Frühjahr wird der Schlachthof sein altes Gebäude endgültig verlassen. Die Musik spielt dann ein paar Meter weiter in der neuen Halle und im Kesselhaus am Wasserturm. Dann erinnert nur noch eine Fassade der alten Halle daran, wie es dort einmal ungefähr ausgesehen hat. Auch wenn die Kritik am Neubau anfangs groß war, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass der Kulturpark mit dem neuen Schlachthof ein Zugewinn für Wiesbaden ist. Weiterlesen

FALK FATAL wartet auf den Untergang

FalkFatal-260x312Im Nahen Osten lodert ein Flächenbrand aus Chaos, Gewalt, Terror, religiösem Fanatismus, Machtgier und Tod. In den Regionen, in denen fanatische Islamisten die Oberhand haben, stillen diese ihren Blutdurst an den Ungläubigen, die nicht ihrem beschränkten Weltbild entsprechen, während auf der anderen Seite der Weltkugel fanatische Christen irgendetwas von intelligentem Design faseln und einen Gott anbeten, der die Erde flutet und Feuer und Schwefel auf Städte regnen lässt. In manchen US-Bundesstaaten haben sie es sogar geschafft, dass der Irrglaube vom Intelligent Design in den Lehrplänen der Schulen gelandet ist.

Und während die Konflikte des Nahen Ostens langsam aber sicher auch stellvertretend in den westlichen Innenstädten geführt werden, bietet Scientology in der Wiesbadener Fußgängerzone Stresstests an. Weiterlesen

FALK FATAL freut sich auf die WM

FalkFatal-260x312Als Andreas Brehme am 8. Juli 1990 zum Elfmeter antrat und diesen eiskalt im Tor des argentinischen Elfmeterkillers  Sergio Goycochea versenkte, saß ich auf einem Bauernhof in der bayrischen Einöde. Während im restlichen Deutschland wenige Minuten später die Menschen auf die Straßen strömten, sich um den Hals fielen und die Autocorsos laut hupend umherfuhren, sagte ich in Weiler im Allgäu Fuchs und Hase gute Nacht. Damals war ich enttäuscht, dass ich bei der großen Party nicht dabei sein konnte. Heute wäre ich das nicht. Sollte Philipp Lahm am 13. Juli wirklich den WM-Pokal überreicht bekommen, werde ich mich wohl in mein Zimmer verziehen und Hammerhead hören. Solange es Autocorsos gibt, ist das Benzin noch nicht teuer genug. Überhaupt ist mir dieser patriotische Überschwang suspekt, der regelmäßig bei Welt- und Europameisterschaften durch dieses Land schwappt. Kein Grund, so auszuflippen. Weiterlesen

FALK FATAL wünscht sich, sein Fahrrad wäre ein Panzer

FalkFatal-260x312Wiesbaden, you’re my heart, you’re my soul. Aber Du bist auch ein Gernegroß, der nicht gerne im Schatten anderer steht. Du willst mit den Großen pinkeln und stehst vor dem Kinderpissoir. Du willst Süden sein und bist doch nur das Nizza des Nordens. Du bist Landeshauptstadt, doch außerhalb Wiesbadens interessiert das keine Sau. Da zählt nur Frankfurt. Da stehen die Banken. Da ist der Flughafen. Da spielt die Musik. Egal, was rührige Stadtväter und städtische Marketingvertreter behaupten. Du bist Landeshauptstadt. Deshalb brauchst Du einen ICE-Bahnhof. Deshalb wurde Gleis 5 verlängert, damit auch ICEs in Wiesbaden Halt machen können. Das machen die jetzt. Vier Mal am Tag.Selbst in Montabaur halten die ICEs öfter.

Du blickst neidvoll nach Frankfurt und Mainz. Das sind Uni-Städte. Du hattest nur eine Fachhochschule. Die heißt jetzt Hochschule Rhein-Main. Die European Business School und die Kinder reicher Eltern hast Du mit Millionen geködert, damit die ihre zweite Fakultät in Wiesbaden eröffnen und Du endlich Universitätsstadt auf dein Ortsschild schreiben darfst. Weiterlesen

FALK FATAL besucht die Jugend

FalkFatal-260x312Der Kicker war ne Wucht. Das Holz von Aufklebern übersäht, die Griffstangen klemmten und die Spieler waren mit Edding verschmiert. Ganz zu schweigen von dem einstmal grünen Spielfeld. Das war von schwarzer Aschekruste überzogen. Unzählige Bierpfützen und Kippenasche hatten ihre Spuren hinterlassen. Kein Ball rollte so, wie er normal gelaufen wäre. Manchmal nahm er eine unerwartete Wendung, manchmal verendete er mitten auf dem Feld. Dieser Tisch war nur etwas für Menschen, die sonst keinen anderen Kicker kannten. Das merkten besonders die Profispieler mit ihren extra griffigen Handschuhen, die versuchten, unserem angetrunkenen Haufen eine Lektion zu erteilen und dabei regelmäßig ihr Cordoba erlebten.

Genauso heruntergekommen war der Gewöblekeller in dem der Kicker stand. Der Putz bröckelte von den Wänden. Das Licht war schummrig. Die Luft rauchverhangen. Das Flaschenbier wurde über ein Brett gereicht, dass zwischen zwei Pfeilern montiert war. Und immerzu dröhnte Heavy Metal in einer Lautstärke aus den Boxen, die eine gepflegte Unterhaltung über den tendenziellen Fall der Profitrate oder die jüngste Schutzschwalbe Andy Möllers unmöglich machte. Das war aber nicht schlimm. Wir hatten anderes im Sinn als gepflegt zu parlieren. So war das vor 15, 16 Jahren im Gnoom in Rüdesheim. Dem einzigen Zufluchtsort für alle jugendlichen Schluckspechte, die auch nach 24 Uhr noch irgendwo trinken wollten in einer Umgebung, in der nicht Dr.Alban, Whigfield oder 2Unlimited lief. Dafür nahm man auch Heavy Metal in Kauf. Weiterlesen

FALK FATAL SPIELT KARTEN

FalkFatal-260x312Das Zimmer ist rauchverhangen. Leere Bierflaschen säumen Tisch und Boden. Müde Gesichter starren sich an. Ich brauche keinen Blick auf die Uhr zu werfen, um zu wissen, dass es schon spät ist. Seit Stunden wogt die Schlacht hin und her. Die Verluste auf beiden Seiten sind beträchtlich, der Raumgewinn dagegen ist ziemlich gering – fast wie 1916 in Verdun. Dann geht es plötzlich ganz schnell. Meine Linien brechen zusammen. Ein Land nach dem anderen fällt in die Hände des grausamen Usurpators, der die blauen Armeen befehligt. Meine Rotarmisten sind auf dem Rückzug. Binnen weniger Minuten hat sich das Gleichgewicht des Schreckens in eine drückende Überlegenheit des Bösen gewandelt. Zuletzt fällt Irkutsk.

Die roten Armeen sind geschlagen, vom Spielfeld gefegt. Die blaue Armee hat die Weltherrschaft an sich gerissen. Ich sehe den triumphierenden, irren Blick meines Freundes und höre sein diabolisches Lachen. Die Welt darf sich auf ein grausames Regime einstellen – bis zur nächsten Risikopartie. Weiterlesen