Schlagwörter: Kolumne

FALK FATAL besucht die Jugend

FalkFatal-260x312Der Kicker war ne Wucht. Das Holz von Aufklebern übersäht, die Griffstangen klemmten und die Spieler waren mit Edding verschmiert. Ganz zu schweigen von dem einstmal grünen Spielfeld. Das war von schwarzer Aschekruste überzogen. Unzählige Bierpfützen und Kippenasche hatten ihre Spuren hinterlassen. Kein Ball rollte so, wie er normal gelaufen wäre. Manchmal nahm er eine unerwartete Wendung, manchmal verendete er mitten auf dem Feld. Dieser Tisch war nur etwas für Menschen, die sonst keinen anderen Kicker kannten. Das merkten besonders die Profispieler mit ihren extra griffigen Handschuhen, die versuchten, unserem angetrunkenen Haufen eine Lektion zu erteilen und dabei regelmäßig ihr Cordoba erlebten.

Genauso heruntergekommen war der Gewöblekeller in dem der Kicker stand. Der Putz bröckelte von den Wänden. Das Licht war schummrig. Die Luft rauchverhangen. Das Flaschenbier wurde über ein Brett gereicht, dass zwischen zwei Pfeilern montiert war. Und immerzu dröhnte Heavy Metal in einer Lautstärke aus den Boxen, die eine gepflegte Unterhaltung über den tendenziellen Fall der Profitrate oder die jüngste Schutzschwalbe Andy Möllers unmöglich machte. Das war aber nicht schlimm. Wir hatten anderes im Sinn als gepflegt zu parlieren. So war das vor 15, 16 Jahren im Gnoom in Rüdesheim. Dem einzigen Zufluchtsort für alle jugendlichen Schluckspechte, die auch nach 24 Uhr noch irgendwo trinken wollten in einer Umgebung, in der nicht Dr.Alban, Whigfield oder 2Unlimited lief. Dafür nahm man auch Heavy Metal in Kauf. Weiterlesen

FALK FATAL SPIELT KARTEN

FalkFatal-260x312Das Zimmer ist rauchverhangen. Leere Bierflaschen säumen Tisch und Boden. Müde Gesichter starren sich an. Ich brauche keinen Blick auf die Uhr zu werfen, um zu wissen, dass es schon spät ist. Seit Stunden wogt die Schlacht hin und her. Die Verluste auf beiden Seiten sind beträchtlich, der Raumgewinn dagegen ist ziemlich gering – fast wie 1916 in Verdun. Dann geht es plötzlich ganz schnell. Meine Linien brechen zusammen. Ein Land nach dem anderen fällt in die Hände des grausamen Usurpators, der die blauen Armeen befehligt. Meine Rotarmisten sind auf dem Rückzug. Binnen weniger Minuten hat sich das Gleichgewicht des Schreckens in eine drückende Überlegenheit des Bösen gewandelt. Zuletzt fällt Irkutsk.

Die roten Armeen sind geschlagen, vom Spielfeld gefegt. Die blaue Armee hat die Weltherrschaft an sich gerissen. Ich sehe den triumphierenden, irren Blick meines Freundes und höre sein diabolisches Lachen. Die Welt darf sich auf ein grausames Regime einstellen – bis zur nächsten Risikopartie. Weiterlesen

FALK FATAL KÄMPFT SICH DURCH DEN ZAHLENSALAT

FalkFatal-260x3127.000! In Worten: siebentausend. So viel Menschen leben weniger in Wiesbaden als gedacht. Statt 277.000 Menschen leben nur noch 269.121 Personen in der hessischen Landeshauptstadt. Relativ gesehen, bedeutet das einen Bevölkerungsschwund von 2,9 Prozent. Doch keine Angst, die Menschen sind nicht weggezogen, verstorben oder sonst irgendwie verlustigt gegangen. Sie haben nie existiert. Sie waren Karteileichen, wie die Stadt Wiesbaden mitteilt. Das ist eines der Resultate der großen Volkszählung, die vor zwei Jahren stattfand und sich Zensus 2011 nennt.

Aber nicht nur die reine Bevölkerungszahl ist erhoben worden, es wurden auch sogenannte soziodemografische Daten gesammelt. So werden Bevölkerungsmerkmale wie Alter, Geschlecht, Religion oder Bildung genannt. Die Statistiker gingen dafür nicht einfach von Tür zu Tür und haben die Namen auf den Klingelschildern gezählt. Nein, hier handelte es sich um einen registergestützten Zensus, bei dem auch Daten vorhandener Verwaltungsregister genutzt und mit verschiedenen Stichprobenerhebungen verknüpft wurden. Man hätte wahrscheinlich auch die Facebook-Profile der Wiesbadener auswerten können und wäre auf ähnliche Ergebnisse gekommen, aber nun gut. Weiterlesen

FALK FATAL legt die Füße hoch

fa8a6-falkfatal-260x312In der Nerostraße hat ein neues Café eröffnet. Eigentlich eine Nachricht, die so weltbewegend ist wie die Mitteilung, dass in China ein Sack Reis umgefallen ist, in Bayern ein CSU-Amigo seinen Schäferhund als Bürohilfe angestellt hat oder dass Bayern München das Festgeldkonto öffnet und einfach für fünf Milliarden Euro die komplette Bundesliga kauft. Warum ich das Café hier trotzdem erwähne? Man bezahlt nicht für seine Getränke, sondern für die Zeit, die man dort verbringt. Weiterlesen

FALK FATAL FREUT SICH AUF DIE NEUE SCHLACHTHOFHALLE

Falkfatal-260x312Bald ist es soweit. Noch ein paar Mal schlafen und dann eröffnet der Schlachthof seine neue Halle. Und dann auch noch mit Frau Doktor, der süßesten Versuchung, seit es Skamusik gibt. Ich freue mich! Aber nicht allen geht es so wie mir. Leider. Viele trauern immer noch der alten Halle nach. 

Ich höre schon jetzt die Kommentare: „Das ist nicht mehr der Schlachthof. Früher hatte der aber mehr Flair.“ Mag sein. Flair hat die alte Halle. Keine Frage. Aber sie ist auch zugig, hat eine schlechte Akustik und für die Menschen, die darin arbeiten mussten, war es zum Teil eine Zumutung. Ich weiß, wovon ich spreche. Einigen von euch habe ich bestimmt schon einmal einen Drink über die Theke gereicht. Warum also nicht Friede, Freude, Eierkuchen und sich freuen, dass in Wiesbaden etwas Neues entsteht und es wieder einen Ort gibt, indem nationale und internationale Topacts sich die Klinke in die Hand geben werden? Weiterlesen

FALK FATAL WIRD UM DEN SCHLAF GEBRACHT

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„Jennifer, Du Schlampe, ich liebe Dich!!!”, brüllt ein junger Typ, schätzungsweise Anfang 20, in sein Handy, als ich aus meinem Schlaf aufschrecke. „Den Hurensohn bringe ich um”, brüllt er weiter. Ich blicke auf die LED-Anzeige meines Radioweckers. 5.13 Uhr leuchtet dort in mattem rot. Den wütenden jungen Mann, der fünf Stockwerke tiefer auf der Straße seine (Ex?-)Freundin zur Sau macht, interessiert das nicht. Dafür einige andere Bewohner des Hauses.

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FALK FATAL VERFOLGT DIE TRINKERSZENE

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Neulich hatte sich spontaner Besuch zum Essen angekündigt. Es war ein Sonntag. Für mich kein Problem. Mit einem gut gefüllten Kühlschrank lässt sich immer etwas Leckeres kredenzen und so fing ich an die Zwiebeln zu schneiden, das Gemüse zu waschen und das Wasser aufzusetzen. Ein passender Wein musste her. Doch im Weinregal nur gähnende Leere. Also schnell die Treppen runter und rüber zum Kiosk am Platz der Deutschen Einheit.

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FALK FATAL ERKUNDET DAS NIZZA DES NORDENS

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Träumerisch flaniere ich durch die Alleen der Stadt. Am Himmel glänzt das Blau, soweit mein Auge reicht, nur einmal kurz geteilt durch den Kondensstreifen eines Passagierflugzeugs, das friedlich seine Warteschleife über Wiesbaden dreht und in Flörsheim wohl die Menschen in den Wahnsinn treiben wird. Die Sonne lacht und strahlt. Die Knospen knistern, die Winde flüstern, der Lenz ist da, der Lenz ist da. Alle strömen hinaus, ins Freie, in den Kurpark, auf den Kranzplatz, in die Eiscafés und Biergärten der Stadt. Der Frühling ist schön, wie immer. Fast südländisch der Flair, den Wiesbaden in solchen Momenten verströmt. Und während man da so sitzt vor seinem Lieblingscafé, Sonne tankt und sich braten lässt, wie ein gerupftes Hühnchen auf dem Grillspieß, hört man sie dann doch am Nebentisch: die Rede vom „Nizza des Nordens“. Und ich frage mich dann immer: Warum ausgerechnet Nizza? Woher dieser Spitzname?“ Weiterlesen