Schlagwörter: Sensor Kolumne

FALK FATAL war spazieren

FalkFatal-260x312Am 19. Januar nahmen rund 10.000 Menschen am „No Pegida Spaziergang“ vom Hauptbahnhof zum Schlossplatz teil und das trotz winterlicher Temperaturen, die etliche Spaziergänger frieren ließ. 10.000 Menschen, die für Offenheit, Toleranz, Demokratie und Solidarität spazierten. 10.000 Menschen, die zeigen wollten, dass in Wiesbaden kein Platz für Hass und Gewalt ist. Der „No Pegida Spaziergang“ war ein kraftvolles, ein eindrucksvolles Zeichen für ein weltoffenes und tolerantes Wiesbaden. Aber der Spaziergang kann nur der Auftakt gewesen sein.

Denn selbst wenn Pegida, Legida und Co. in den vergangenen Wochen rückläufige Teilnehmerzahlen verzeichnet haben, heißt das nicht, dass die Einstellungen und Wahrnehmungen, die die Menschen auf die Straße getrieben haben, plötzlich verschwunden sind. Die sind immer noch da. Dafür reicht der Blick in die Kommentarpalten vieler Onlinemedien oder in den sozialen Netzwerken. Weiterlesen

FALK FATAL hält inne

FalkFatal-260x312Die Stadt ist im Wandel. Permanent. Wer schon ein paar Jahre in Wiesbaden lebt, weiß das. Der Schlachthof, der zurzeit sein 20-jähriges Bestehen feiert, ist das beste Beispiel. Als ich Mitte der 1990er Jahre das erste Mal den Schlachthof besuchte, war das Gebäude eines von vielen ehemaligen Lagerhallen. Das komplette Gelände war eine Wüste aus Beton. Der Gedanke, dass dort einmal eine der größten innerstädtischen Grünflächen zum Abhängen für die Jugend entstehen wird, war damals so fern, wie der FC St. Pauli von der deutschen Meisterschaft.

Im Frühjahr wird der Schlachthof sein altes Gebäude endgültig verlassen. Die Musik spielt dann ein paar Meter weiter in der neuen Halle und im Kesselhaus am Wasserturm. Dann erinnert nur noch eine Fassade der alten Halle daran, wie es dort einmal ungefähr ausgesehen hat. Auch wenn die Kritik am Neubau anfangs groß war, wird niemand ernsthaft bestreiten wollen, dass der Kulturpark mit dem neuen Schlachthof ein Zugewinn für Wiesbaden ist. Weiterlesen

FALK FATAL mag die Gentrifikation nicht

FalkFatal-260x312Vor ein paar Wochen ist das Café Klatsch 30 Jahre alt geworden. Dazu ist in der vergangenen Ausgabe ein Artikel erschienen, der die Überschrift „Lebendige Utopie“ trug und eigentlich besser zu dem Schwerpunkt dieser Ausgabe gepasst hätte. Denn Utopien brauchen Räume, in denen über sie diskutiert werden kann, in denen sie ausprobiert werden können. Solch einen Laden gibt es auch in der Werderstraße. Die Rede ist vom Infoladen Linker Projekte, der seit 1988 existiert, und neben einem Tagungsraum, einer Küche, zwei kleineren Büroräumen auch aus einer Werkstatt besteht. Der Trägerkreis des Infoladens übernahm die heruntergekommenen Räume, die zuvor von den städtischen Gerichtsvollziehern genutzt wurden, und renovierte diese. Verschiedene linke Gruppen, wie unter anderem die Rote Hilfe Wiesbaden, die Küfa (Küche für alle), Radio Quer sowie die Schachfreunde Stiller Zug, die aus Mitgliedern des Infoladens bestehen und in der Bezirksoberliga spielen, treffen sich dort. Weiterlesen

Falk Fatal begrüßt die syrischen Flüchtlinge

FalkFatal-260x312Eigentlich wollte ich diese Kolumne der „Musikstadt Wiesbaden“ widmen. Doch dann las ich auf der Facebookseite des Wiesbadener Kuriers die Kommentare zu der Nachricht, dass Wiesbaden in Biebrich in Wohncontainern 260 syrische Bürgerkriegsflüchtlinge aufnehmen wird. Daraufhin änderte ich meinen Plan.

Neben vielen positiven Kommentaren gab es auch etliche, die sich wie ein Best-of des Stammtisch-Rassismus lesen. Natürlich durfte die Frage nicht fehlen: „Warum kommen die immer zu uns? Wir haben genug.“ Andere Länder sollten auch endlich Flüchtlinge aufnehmen. Auch auf die Steuergelder, die hier verschwendet würden, wurde hingewiesen. Dass die Flüchtlinge sich hier auf Kosten der Steuerzahler einen faulen Lenz machen werden, steht für einige Kommentatoren ebenso fest. Und dass man nun Angst haben müsse, nachts alleine durch Biebrich zu gehen. Weiterlesen

FALK FATAL widerlegt Modern Talking

FalkFatal-260x312Scheitern als Chance. Jedes Ende kann ein Anfang sein. Trümmer sind Steine der Hoffnung. Es ist keine Schande hinzufallen, aber es ist eine Schande, einfach liegenzubleiben. Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren.

Ich kann sie nicht mehr hören, diese Motivations-Glückskekssprüche, die einem täglich um die Ohren fliegen. Das hat die lyrische Qualität von Modern Talking. Echt jetzt! You can win if you want, if you want you will win. Höre das jeden Tag mindestens 50-mal im Dauerrepeat, flüstere dabei mantraartig: “Ich bin ein Gewinner!” und der Erfolg ist Dir gewiss.

Ich durfte vor ein paar Jahren an einem Motivationsseminar für Führungskräfte der Versicherungswirtschaft teilhaben. Auf dem Podium stand ein Shaolin-Mönch, der mit seinem Kopf Betonplatten zertrümmerte. Weil er den Willen dazu hat, wie der Motivationsguru, der danebenstand, immer während in den Saal posaunte. Weiterlesen

FALK FATAL lebt in der Fünf-Sterne-Stadt

FalkFatal-260x312Neulich war ich über das Wochenende in Berlin. Freitags hatte ich eine Lesung, samstags spielte meine Band ein Konzert. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, kam ich auch dieses Mal mit den Einheimischen ins Gespräch. Eine der ersten Fragen bei diesen Small-Talks lautet immer: „Und, wo kommst Du her?“ Da ich ein ehrlicher Mensch bin, antworte ich wahrheitsgemäß: „Aus Wiesbaden.“ Die Reaktionen darauf fallen immer sehr unterschiedlich aus, lassen sich aber grob in drei Kategorien unterteilen.

Menschen, die gute Musik zu schätzen wissen und sich selbige auch gerne einmal live anhören, antworten manchmal: „Da gibt es doch den Schlachthof? Da war ich mal auf einem Konzert.“ Diese Reaktionen sind mir die liebsten. Man ist sofort im Gespräch und kann fachsimpeln. Viel häufiger ist allerdings eine andere Reaktion. Diese besteht meist aus der Frage: „Und wo ist das?“ Ich antworte dann immer: „Bei Frankfurt.“ Frankfurt kennen die Menschen. Da ist der Flughafen. Da sind die Bankentürme. Da gab es Blockupy und den gewalttätigen Einsatz der Polizei auf der Demonstration im vergangenen Jahr. Auch mit diesen Reaktionen kann ich gut leben.
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FALK FATAL blickt in die Zukunft

FalkFatal-260x3122014! Alles auf Null. Format C und dann Reboot. Das wird gut! Neulich war ich bei einer Wahrsagerin, sie blickte in ihre Kristallkugel und was sie mir verriet, verheißt Großes! 2014 wird rocken.

Das Folklore Festival wird wieder stattfinden. Noch größer, noch schöner, noch toller! Der Ärger mit den Anwohnern wird der Vergangenheit angehören. Der Schlachthof wird eine gigantische Lärmschutzwand bauen, die sich vom Wasserturm bis ans Ende des Murnauparks erstreckt. Und diese Mauer wird hoch. Sehr hoch sogar. Mindestens zwanzig Meter wird sie in die Lüfte ragen und dafür sorgen, dass sich das Rattern der ein- und ausfahrenden Züge nicht mit dem Höllenlärm mischen wird, der sonst von Künstlern wie Thees Ulmann, Deichkind oder Tocotronic über die Bahngleise zu den Anwohnern an der Biebricher Allee hinüber weht. Und nicht nur das. Es gibt wieder eine Mauer. Und die steht nicht in Berlin, sondern in der hessischen Landeshauptstadt. Das wird die Touristen in Heerscharen nach Wiesbaden locken. Einziger Wermutstropfen: David Hasselhoff bekommt Stadtverbot. Denn wo der singt, fallen bekanntlich die Mauern. Aber wer braucht schon den Wind of Change? Weiterlesen

Falk Fatal genießt den Moment

FalkFatal-260x312Ich liebe das Chaos, wenn alles durcheinanderläuft und nichts einer gewohnten Ordnung folgt. Wenn sich auf dem Schreibtisch Zeitungen und daraus herausgerissene Seiten stapeln und mit losen Blättern sowie Briefen der Eswe oder Naspa um den höchsten Berg wetteifern. Dazwischen achtlos liegengelassene Bücher, zurzeit „Nacht in der Stadt”, „Brief an Deutschland”, „Minima Moralia” und „Abfall für alle” (wie passend). Vollgeschriebene Notizbücher ruhen auf alten Moleskinekalendern, Kugelschreiber und Heftklammern liegen in den Schluchten und mitten im Getümmel, zwischen Tastatur und Monitor auf einem Stapel Kontoauszügen wie auf einem Thron balancierend, steht der Aschenbecher. Irgendwo dazwischen verstecken sich leere Kaffeetassen. Und über allem haben sich wie Puderzucker auf einem Kuchen kleine Schmierzettel verteilt. 

„To Do” steht auf einem, gefolgt von einer Auflistung größerer und kleinerer Aufgaben: Keller aufräumen, Treppenhaus putzen, Kolumne schreiben. Ein Zitat Samuel Becketts findet sich auf einem anderen: “Das ist der Fehler den ich gemacht habe… Eine Geschichte gewollt zu haben, wo das bloße Leben genügt.” Weiterlesen

FALK FATAL und der Kuckucksuhrschwindel

FalkFatal-260x312Vor einiger Zeit bekam ich eine Urlaubskarte zugeschickt. Ich weiß nicht, ob die jüngeren Leser diese MMS der analogen Welt noch kennen. Gewöhnlich zierten Strände, Berge oder irgendwelche Sehenswürdigkeiten die Vorderseite der Karte, die Rückseite enthielt einen kurzen Gruß. Etwa: “Der Urlaub ist schön. Uns geht es gut. Liebe Grüße.” Umso überraschter war ich, neulich solch ein Relikt einer vergegangenen Zeit in meinem Briefkasten zu finden. Die Vorderseite zeigte ein Fachwerkhaus mit einem großen Zifferblatt. Die grüne Wiese davor bevölkerten Menschen in komischen Trachten. Absender war ein guter Freund vor mir aus dem hohen Norden, dem ich vor einigen Jahren einmal Unterschlupf in meinem bescheidenen Domizil gewährt hatte. Die genauen Umstände seiner Flucht tun hier nichts zur Sache. Weiterlesen

„Ich entdecke da nämlich eine perfide Form des typisch deutschen Selbsthasses“

Zu meiner Kolumne, die in der Mai-Ausgabe des Sensors erschienen ist, gab es einen Leserbrief – was selten genug passiert. Da in der Juni-Ausgabe nicht genügend Platz war, um meine Antwort auf den Leserbrief in voller Länge abzudrucken, möchte ich das an dieser Stelle nachholen. Weiterlesen