Schlagwörter: Sensor Wiesbaden

FALK FATAL im Kriechgang

Alter, was ist los mit dir? Ich dachte wir hätten einen Deal. Du lässt mich in Ruhe und ich beklage mich nicht über Dich. So sind wir viele Jahre gut ausgekommen. Ich konnte mein Leben auf der Überholspur führen und du schicktest mich nur alle paar Jahre in den Straßengraben. Das war fair. Das war ein Deal. Doch Du hast ihn nun aufgebrochen. Du hast unseren Deal zunichte gemacht.

Es ging langsam los. Mit der Arthrose im Fußzeh. Das ist zwar unangenehm, aber im Großen und Ganzen noch okay. So ein Fußzeh ist nicht schlimm. Der ist zur Not verzichtbar. Man kann auch ohne ihn mit beiden Beinen im Leben stehen. Eventuell muss man etwas das Gewicht verlagern. Aber so what. Weiterlesen

FALK FATAL zwischen urbanem Trott und Provinz-Marotten

Wer diese Kolumne regelmäßig liest, weiß, dass ich eigentlich ein Trottel vom Land bin, der irgendwann nach Wiesbaden gezogen ist. Das ist fast 18 Jahre her. Nicht mehr lange und ich habe die eine Hälfte meines Lebens in Wiesbaden verbracht und die andere Hälfte dort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Man kann also sagen, ich kenne die Unterschiede zwischen Stadt und Land.

Der offensichtlichste Unterschied: In Wiesbaden würde niemand auf die Idee kommen, mich einen Zugezogenen zu nennen. Die ersten Monate war ich vielleicht noch ein Neu-Wiesbadener, doch mit jedem Monat länger in der Stadt, verschwand das “Neu” immer mehr. In dem Dorf, in dem ich aufwuchs, wäre das undenkbar. Da wäre ich auch nach 20 Jahren noch ein Zugezogener. Weiterlesen

FALK FATAL deckt auf

Diese Kolumne ist dem unbekannten Leser gewidmet, der immer noch glaubt, die Presse allgemein und der Sensor im Speziellen würden nicht frei berichten, sondern nur schreiben, was die Regierung befiehlt. Als Beleg dazu dient ihm auch diese Kolumne. Früher sei der Kolumnist bissig gewesen, heute würde er nur noch angepasst schreiben.

Tja, was soll ich sagen? Es ist alles wahr. Man ist uns auf die Schliche gekommen. Wir schreiben nur, was man uns vorgibt. 

Jeden Morgen klingelt um 8 Uhr bei allen 72.500 deutschen Journalisten (und zeitversetzt bei den Auslandskorrespondenten deutscher Medien) das Telefon. Im Display leuchtet eine Berliner Vorwahl auf. Ich weiß dann schon, wer am anderen Ende der Leitung sein wird: Regierungssprecher Steffen Seibert oder jemand aus seinem Mitarbeiterstab, um mir mitzuteilen, was ich heute schreiben soll. Diese Gespräche sind kurz und knapp, aber dennoch auf das jeweilige Fachgebiet der Journalisten abgestimmt. Weiterlesen

FALK FATAL schätzt den Kompromiss

Der menschliche Körper ist manchmal ein marodes Miststück. Zumindest in meinem Fall war er das. Gebeutelt von einer fiesen Erkältung lag ich eine Woche lang flach. Leider genau in der Woche, in welcher der Visionäre Frühschoppen stattfand, bei dem das alternative Konzept für das Walhalla vorgestellt und diskutiert wurde. Das hat mich sehr geärgert, denn ich wäre gerne vor Ort gewesen.

Zum einen natürlich, weil mich interessiert wie es mit dem Walhalla weitergeht. Das ist auch keine unbedeutende Frage, schließlich geht es um die Zukunft eines einzigartigen städtischen Raums. Soll dieser künftig von einem Varietéunternehmen genutzt werden, das ein relativ starres Programm hat, oder von mehreren Kulturunternehmern, die zwar mehr Vielfalt bieten, aber für die Stadt ein größeres Risiko bedeuten, weil mehr Parteien am Tisch sitzen. Keine einfache Entscheidung. Für beide Vorschläge gibt es – je nach Standpunkt – gute Argumente. Weiterlesen

FALK FATAL hat Brass

FalkFatal-260x312Wiesbaden Du alte Hippe! Immer wenn ich denke, Du wärst eine coole Socke, zeigst Du Dich von Deiner hässlichen Seite. Dabei warst Du doch auf einem guten Weg. Wer im ausklingenden Spätsommer abends am Sedanplatz vorbeikam und die Menschen gut gelaunt in und vor den Kneipen sowie auf dem einstmals größten Hundeklo des Westends sah, konnte ein bisschen Großstadtflair einatmen. Doch seitdem vermehrt graue Wolken den Himmel über Wiesbaden bevölkern und die Temperaturen fallen, ist auch der Großstadtflair weitergezogen. Das Nachtleben, dieses zartes Pflänzchen, verkraftet diesen Temperatursturz nur schwer.

Kaum weht der Herbst die Blätter von den Bäumen, muss das Gestüt Renz schließen, weil drei Anwohner den Tumult, den ein Club mit sich bringt, nicht tolerieren wollten. Der Aufschrei in den Tagen danach war groß. Selbst der Oberbürgermeister kommentierte die Entscheidung des Verwaltungsgerichtshofs Kassel auf Facebook mit einem fetten Dislike. Allerdings fragt man sich dann, warum die Stadt Wiesbaden vor einigen Jahren dem Gestüt den Betrieb als „Vergnügungsstätte“ dann überhaupt untersagt hat. Weiterlesen

FALK FATAL wünscht sich mehr Empirie

FalkFatal-260x312In den sozialen Netzwerken bewege ich mich gerne in lokalen Facebook-Gruppen und lese, was meine Mitmenschen bewegt. In jüngster Zeit frage ich mich allerdings immer öfter, ob ich in der selben Stadt wie viele der Kommentatoren lebe? Kaum postet jemand einen Artikel über einen Überfall oder Körperverletzung in Wiesbaden, liest man Sätze wie: „Hier ist es nicht mehr sicher.“ Oder: „Nach Einbruch der Dunkelheit, traue ich mich nicht mehr auf die Straße.“ Ich frage mich dann immer: Reden die wirklich über Wiesbaden und nicht über Kapstadt oder Caracas?

Sicher, das persönliche Sicherheitsempfinden muss nicht der reellen Sicherheitslage entsprechen. Besonders wenn man selbst Opfer solch einer Straftat war. Ich bin Anfang der 2000er Jahre an der Ecke Schiersteiner Straße/Adelheidstraße von zwei Deutschen zusammengeschlagen worden.Viel schlimmer als die aufgeplatzte Lippe und das ramponierte Nasenbein war das diffuse Bedrohungsgefühl, das ich die nächsten Wochen vor allem abends und nachts hatte. [Jetzt auch hörbar als Audiotrack. Einfach ans Ende des Beitrags scrollen.] Weiterlesen

FALK FATAL vermisst das Sommerloch

FalkFatal-260x312Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, da zeigte die Tagesschau im Sommer Helmut und Hannelore Kohl entspannt in ihrem Feriendomizil am Wolfgangsee. Die Bild-Zeitung berichtete über die irre Forderung eines CSU-Hinterbänklers aus dem Bundestag, der Mallorca zum 17. Bundesland machen wollte. Dieses Jahr hätten sich sicher viele Menschen die gute alte Sommerloch-Zeit zurückgewünscht. Stattdessen gab es einen Horror-Sommer.

Die Briten entschlossen sich mit knapper Mehrheit für den Brexit, ein Islamist fuhr in Nizza am Nationalfeiertag in eine Menschenmenge, weil er glaubte, damit Allah einen Gefallen zu tun. Einen Tag später wurde in der Türkei ein Militärputsch niedergeschlagen, den Präsident Erdogan seitdem zum Anlass nimmt, all seine Kritiker mundtot zu machen. Kurz darauf schwang ein bekloppter Islamist in einem Regionalzug nahe Würzburg bewusst die Axt und verletzte vier Menschen schwer. Ein paar Tage später läuft ein Bewunderer Anders Breivik und angeblicher AfD-Anhänger am fünften Jahrestag der Osloer-Anschläge in München Amok und tötet neun Menschen mit Migrationshintergrund. Wiederum nur wenige Tage später, verübt ein abgelehnter Asylbewerber einen Sprengstoffanschlag in Ansbach, bei dem er glücklicherweise nur sich selbst verletzt. Zwei Tage später schneiden zwei Islamisten einem Pfarrer in einer Kirche in Saint-Étienne-du-Rouvray die Kehle durch. Weiterlesen

FALK FATAL antwortet der AfD Wiesbaden

FalkFatal-260x312Die AfD ist eine Partei der schlichten Wahrheiten. Je komplexer das Problem, desto einfacher die Lösung. Da macht der Wiesbadener Kreisverband der AfD keine Ausnahme. Seit April hätte es angeblich vermehrt Farbbeutelwürfe auf das Vereinsheim des SV Erbenheim gegeben (die Pächterin der Vereinskneipe vermietet ihre Räumlichkeiten regelmäßig an die AfD). Ebenso hätten die Stadtverordneten der AfD Graffitis vor ihren Haustüren gefunden.

Die Schuldigen sind schnell gefunden: der Sensor und besonders meine Person, da ich in meiner April-Kolumne vor der AfD gewarnt habe. Dass zumindest ließ die AfD Wiesbaden in einer Pressemitteilung vom 24. Mai verlautbaren. Als Beleg dienen die letzten beiden Sätze der  Kolumne: „Es wird höchste Zeit, den Feinden von Demokratie und offener Gesellschaft entschlossen entgegenzutreten. Wenn nicht jetzt, wann dann?“ Weiterlesen